Kind seit der Geburt behindert

Wann müssen Ärzte über die Alternative Kaiserschnitt informieren?

onlineurteile.de - Ihr erstes Kind hatte die 1,64 Meter große und 123 Kilo schwere Frau per Kaiserschnitt zur Welt gebracht (wegen einer Beckenendlage des Kindes). Bei der zweiten Geburt 1997 schien alles normal abzulaufen. Acht Tage vor dem errechneten Geburtstermin setzten Wehen ein. Im Krankenhaus wurde eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, die einen Kopfdurchmesser des Kindes von ca. zehn Zentimetern ergab. Das Gewicht schätzte die Ärztin auf 3900 Gramm. Doch die Geburt am Tag darauf erwies sich als äußerst kompliziert, weil das Kind schwerer war als geschätzt, es wog 4900 Gramm. Es musste wiederbelebt werden und blieb körperlich und geistig schwer behindert.

Vom Träger der Klinik erhielt die Mutter 70.000 DM Schmerzensgeld, weil einige Maßnahmen bei der Geburt nicht fachgerecht waren. Mit einer weiteren Klage machte die Frau im Namen ihres Kindes Verletzung der Aufklärungspflicht geltend, scheiterte damit aber beim Oberlandesgericht Frankfurt (8 U 102/05). Bei einem ermittelten Geburtsgewicht von 3900 Gramm bestehe für die Geburtshelfer kein zwingender Grund, eine Risikogeburt anzunehmen und mit der Mutter die Alternative eines Kaiserschnitts zu erörtern, erklärten die Richter.

Dazu seien sie verpflichtet, wenn für den Fall einer vaginalen Geburt ernste Gefahren für ein Kind drohten. Dann sei, vorausgesetzt die Konstitution der Mutter lasse dies zu, eine Schnittentbindung medizinisch angezeigt. Kämen weitere Risikofaktoren dazu, gelte dies ab einem Schätzgewicht von 4000 Gramm. Obwohl im konkreten Fall Schätzung und Geburtsgewicht erheblich auseinanderklafften, sei nicht ersichtlich, dass das Gewicht des Kindes am Vortag der Geburt falsch ermittelt worden wäre. Auch das hohe Gewicht der Mutter lege einen Kaiserschnitt nicht zwingend nahe.