Kind verunglückt im Hallenbad

Zur Aufsichtspflicht eines Bademeisters

onlineurteile.de - Das Unglück hatte sich 1999 ereignet: Eine Mutter war mit ihren drei Kindern ins kommunale Hallenbad gegangen. Dort aß die Familie Pommes Frites und Bratwurst. Danach klagte der vierjährige Junge über Bauchschmerzen, wollte aber trotzdem ins Wasser. Mit der sechsjährigen Schwester spielte er im Nichtschwimmerbereich, wo er stehen konnte. Seiner Mutter, die mit dem Baby am Rand stand, sagte der Junge, er werde einen Schwimmring holen. Dann achtete die Frau einige Minuten nicht mehr auf ihn - bis plötzlich die Schwester bemerkte, dass er mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser trieb. Das Mädchen zog den Bruder an den Beckenrand bis zur Einstiegstreppe, da atmete er schon nicht mehr.

Der von einem Badegast alarmierte Bademeister versuchte, das Kind durch Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Mit Rettungshubschrauber wurde es in ein Kinderkrankenhaus gebracht. Der Junge überlebte, erlitt aber so schwere Hirnschäden, dass er schwerstbehindert blieb. Eine Klage gegen die Gemeinde auf Schadenersatz hatte keinen Erfolg. Bei diesem tragischen Unfall habe niemand seine Aufsichtspflicht verletzt, urteilte das Landgericht Münster (12 O 639/04). Die Gemeinde habe nicht mehr als einen Bademeister zur Aufsicht einsetzen müssen; das genüge in einem Hallenbad dieser Größe. Von seiner vollverglasten Kabine aus überblicke er das gesamte Schwimmbecken.

Man könne dem Bademeister nicht vorhalten, er hätte sich früher um das Kind kümmern müssen: Denn die Situation sah äußerlich nicht nach einer Notlage aus. Kinder ließen sich häufig spielerisch an der Wasseroberfläche treiben. Zudem sei der Junge im Nichtschwimmerbereich gewesen. Wie lange der Junge unbemerkt auf dem Wasser trieb, sei nicht mehr zu klären. Er habe das Becken verlassen, um den Schwimmring zu holen. Niemand habe ihn anschließend beobachtet.

Der medizinische Sachverständige habe ausgesagt, die Sauerstoffzufuhr müsse mindestens acht Minuten unterbrochen worden sein. Allerdings bedeute das nicht, dass das Kind acht Minuten lang unbemerkt im Wasser trieb: Denn in der Lunge des Jungen habe sich erbrochene Nahrung befunden, was die Reanimation durch Beatmung unmöglich machte. Wahrscheinlich sei daher auch während des Transports das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt gewesen. Das Hochwürgen der Nahrung habe vermutlich das Unglück ausgelöst. Der Bademeister hätte die irreparablen Hirnschäden auch dann nicht verhindern können, wenn er früher auf die Notlage des Kindes aufmerksam geworden wäre.