Kindergeschrei ist hinzunehmen ...

... und berechtigt Mieter nicht dazu, die Miete zu kürzen

onlineurteile.de - Eine ältere Mieterin fühlte sich durch das (eineinhalb Jahre alte) Kleinkind aus dem Obergeschoss gestört. Mehrmals in der Woche werde sie schon um sieben Uhr früh aus dem Schlaf gerissen, klagte sie in einem Schreiben an die Vermieterin. Wenn die junge Mutter das Kind im Treppenhaus in den Kinderwagen setze, quietsche und schreie es minutenlang. Die Mieterin kürzte wegen ständiger Lärmbelästigung die Miete.

Beim Landgericht München I verlor sie gegen die Vermieterin, die den Differenzbetrag eingeklagt hatte (31 S 20 796/04). Schon möglich, dass die alte Dame gerne länger schlafe, meinten die Richter. Ihr Ruhebedürfnis könne aber nicht praktische Notwendigkeiten außer Kraft setzen. Um sieben Uhr morgens die Wohnung zu verlassen, sei für einen großen Teil der Bevölkerung "normal". Die junge Mutter sei berufstätig und nicht verpflichtet, mit ihrem Kind frühmorgens fluchtartig das Treppenhaus zu queren.

Von "sozial unverträglichem Verhalten" - so der Vorwurf an die Kleinfamilie - könne hier keine Rede sein: Kindergeschrei sei natürlich und stelle keinen Mietmangel dar, der andere Mieter zur Kürzung der Miete berechtigte. Diese Art "Lärm" sei von den Mietern hinzunehmen; im Zusammenleben von Nachbarn seien alle auf Toleranz angewiesen.