Kinderlärm ist zu tolerieren

Geschrei rechtfertigt keine Kündigung wegen Störung des Hausfriedens

onlineurteile.de - Der kleine L., ganze vier Jahre alt, wollte zwar gern mit Mami spazierengehen. Aber dazu diese doofen Schuhe anziehen? Da brach der Trotz voll durch: Im Flur des Mietshauses entbrannte eine lautstarke Diskussion zwischen dem Buben und seiner Mutter. Sie dauerte genau 9 Minuten, so notierte eine Nachbarin, die daraufhin gleich mal wieder einen Beschwerdebrief an den Vermieter schrieb. Das hatte sie schon öfter getan, auch andere Mieter des Hauses klagten über Geschrei, Gehopse und Gepolter. Irgendwann reichte es dem Vermieter und er kündigte der Mutter fristlos.

Doch Kinderlärm - wenngleich als störend oft empfunden - ist in einem Mietshaus hinzunehmen, entschied das Landgericht Bad Kreuznach (1 S 21/01). Vom Babygeschrei über Spielgeräusche (wie Schlagen mit Gegenständen oder Herumrennen) bis hin zu lautem Streit reichten die "unvermeidbaren Lebensäußerungen", in denen sich der natürliche Bewegungs-, Spiel- und Mitteilungsdrang von Kleinkindern ausdrücke. Die Eltern könnten und dürften ihn nicht unterdrücken, weil das die Entwicklung der Kinder hemme. Der Vorfall im Treppenhaus verweise nicht auf mangelnde Erziehung, sondern zeige nur, dass Kleinkinder einen eigenen Willen hätten. Sicherlich würde es zum Hausfrieden beitragen, wenn die Familie einen Teppichboden verlegte, um den Lärm etwas zu dämmen. Einen Anspruch hätten die Mitmieter darauf allerdings nicht, solange es nur "normale Wohngeräusche" seien, von denen sie sich gestört fühlten.