Kirschbaum hebelt Betonplatte aus

Erbitterter Streit unter Nachbarn um die Kosten eines neuen Wegs

onlineurteile.de - Eine Hauseigentümerin hatte von der Straße bis zum Eingang des Wohnhauses drei große Betonplatten als Weg verlegen lassen. Doch mit den Jahren wuchsen die Wurzeln eines Kirschbaums, der dem Nachbarn gehörte und etwa einen Meter vom Grundstückszaun entfernt stand, unter dem Zaun hindurch unter eine der Betonplatten. Die Wurzeln hoben die Platte um ca. drei Zentimeter an und die Hauseigentümerin befürchtete, sie könnte zum "Stolperstein" werden. Da ließ sie die Betonplatten entfernen und einen Weg aus kleinen Pflastersteinen anlegen. Die Kosten der Aktion, 1.179 Euro, stellte sie dem Nachbarn in Rechnung.

Der Besitzer des Kirschbaums hielt die Forderung für abwegig und ließ sich verklagen. Er setzte sich in allen Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshofdurch (V ZR 99/03). Zwar betonten die Bundesrichter, jeder Eigentümer müsse dafür Sorge tragen, dass Baumwurzeln nicht über die Grenzen seines Grundstücks hinauswüchsen. Wenn Baumwurzeln ein Nachbargrundstück "unterminierten", schulde der Eigentümer dem Nachbarn Abhilfe. Notfalls dürfe der Nachbar die "Störung" auch selbst beseitigen und Kostenersatz verlangen.

Um die Ursache des Schadens zu klären und den Weg zu reparieren, hätte man hier aber nicht gleich einen neuen Weg anlegen müssen. Es hätte genügt, die von den Wurzeln angehobene Betonplatte aufzuheben, die Wurzeln zu beschneiden und die Betonplatte wieder hinzulegen. Die Hauseigentümerin habe daher keinen Anspruch darauf, vom Nachbarn die Kosten eines neuen Weges ersetzt zu bekommen.