Kleiner Tunichtgut als Feuerteufel

Hat die Mutter ihre Aufsichtspflicht verletzt?

onlineurteile.de - Das Bürschchen hatte sich schon einiges geleistet: Wiederholt störte er den Unterricht und beleidigte Lehrer, manchmal schwänzte er. Im September 1998 schlug er einen Mitschüler mit einem Faustschlag aufs Auge krankenhausreif und löste polizeiliche Ermittlungen aus. Im Januar 1999 schließlich - kurz bevor er 14 Jahre alt und damit strafmündig wurde, worüber er Bescheid wusste - wollte es der Junge wohl noch einmal richtig "krachen" lassen. Mit Schulkameraden legte er in mehreren Gebäuden Feuer.

Eine Feuerversicherung kam für die Brandschäden auf, wollte sich dann aber bei der Mutter des Tunichtguts schadlos halten. Sie habe ihre Aufsichtspflicht verletzt, wurde ihr vorgeworfen, und hafte daher für den Schaden. Das Oberlandesgericht Frankfurt befasste sich mit den Erziehungsmaßnahmen der Mutter (1 U 185/04). Dass sie ihrem Sohn erlaubt hatte, unbeaufsichtigt außer Haus mit Freunden mehrere Stunden zu verbringen, wertete das Gericht nicht als Verletzung der Aufsichtspflicht.

Auch wenn er in der Schule mehrfach über die Stränge schlug, habe die Mutter deshalb - sofern sie überhaupt davon erfahren habe - nicht unbedingt seine Freizeit einschränken müssen. Man könne einen Jungen von (damals) fast 14 Jahren nicht zuhause einsperren. Immerhin habe er sich in der Vergangenheit auf Ermahnungen hin immer wieder einsichtig gezeigt. Er habe sich bei der Mutter jeweils abgemeldet, wenn er das Haus zum Spielen, zum Sport oder zum Besuch eines Jugendzentrums der evangelischen Kirche verließ. Aus den Vorfällen in der Schule habe die Mutter nicht schließen müssen, dass ihr Junge generell zu Straftaten und speziell zu Brandstiftung neigte. Dafür habe sie keine Anhaltspunkte gehabt. Da die Frau letztlich alles getan habe, was in ihrer Macht stand, um den Sohn in Schach zu halten, müsse sie die Brandschäden nicht ersetzen.