Koffer kamen zu spät ...

Urlauber vermissen auf dem Kreuzfahrtschiff schmerzlich ihre Kleider

onlineurteile.de - Ein Ehepaar hatte zum Jahreswechsel 2007/2008 eine Mittelmeerkreuzfahrt bei einem Reiseveranstalter gebucht, zwölf Tage zum Preis von 1.280 Euro pro Person. Von Genua aus sollte es losgehen, dorthin reisten die Urlauber mit dem Flugzeug. Ihre Koffer, die sie am Flughafen aufgegeben hatten, kamen nicht rechtzeitig an der Anlegestelle des Schiffes an. So mussten die Eheleute erst einmal ohne Gepäck reisen - erst nach fünf Tagen bekamen sie die Koffer zurück.

Nach der Rückkehr forderten die Reisenden vom Reiseveranstalter Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreude. Für die fünf Tage müsse er den Reisepreis um je 90 Prozent mindern. Begründung: Sie hätten die ganze Zeit dieselben Sachen tragen müssen und deshalb Galaabendessen, Theater- und Tanzveranstaltungen versäumt. Denn dort unpassend gekleidet zu erscheinen, sei eine Art Spießrutenlaufen.

Für Sportprogramme und Fitnessraum habe die Sportkleidung gefehlt, Kosmetikartikel und Fotoapparat hätten sie auch sehr vermisst. An Bord habe man nur T-Shirts, Herrenhemden und Unterwäschen kaufen können. Täglich die verschwitzten Sachen waschen zu müssen, habe ihnen die Kreuzfahrt endgültig verdorben.

Das Amtsgericht München hielt es für angemessen, den Reisepreis für die fünf Tage um jeweils 30 Prozent herabzusetzen (132 C 20772/08). Mehr aber auch nicht. Natürlich sei eine Reise beeinträchtigt, wenn die Urlauber ohne ihre Sachen dastünden. Allerdings habe das Ehepaar die vielfältigen Leistungen dieser Reise durchaus auch in getragenen Kleidern (und gekauftem Ersatz) wahrnehmen können und zum Teil auch wahrgenommen. Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden sei in so einem Fall nicht gerechtfertigt.