Krankenkasse will Blindenhund nicht finanzieren

Trotz Trainings mit einem Langstock hat ein blinder Mann Anspruch auf einen Führhund

onlineurteile.de - Ein 1956 geborener Mann erblindete im Jahr 1993. Ein Versuch mit einem elektronischen Blindenleitgerät schlug fehl. Ein paar Jahre später absolvierte der Mann ein Orientierungs- und Mobilitätstraining für Blinde. Anschließend konnte er sich mit einem Langstock einigermaßen selbständig fortbewegen. Sein Augenarzt verordnete ihm dazu einen Blindenführhund, der rund 19.000 Euro kosten sollte.

Die gesetzliche Krankenkasse lehnte es ab, die Kosten zu übernehmen. Mit dem Langstock sei er ausreichend versorgt, argumentierte die Krankenkasse. Der Versicherte könne sich damit sicher bewegen. Also sei ein Blindenhund nicht erforderlich, um das Grundbedürfnis der Mobilität zu gewährleisten. Dem widersprach das Sozialgericht Aachen, nachdem es einen Sachverständigen interviewt hatte (S 13 KR 99/06).

In vertrauter Umgebung kämen Blinde mit dem Langstock gut zurecht, erklärte der Experte. Doch in vielen Situationen biete er nicht genügend Sicherheit: bei widriger Witterung wie Schneefall, beim Überqueren großer freier Plätze oder Kreuzungen, in Menschenansammlungen, beim Auffinden von Treppen und Aufzügen oder auch dann, wenn Hindernisse in Kopfhöhe im Weg stünden.

Demnach erfülle der Blindenlangstock das Grundbedürfnis sicheren Gehens alleine nicht: Nur die Begleitung eines Führhundes ermögliche es blinden Menschen, sich unabhängig und sicher im Verkehr zu bewegen. Wenn sich eine blinde Person für einen Hund entscheide und dessen artgerechte Haltung sicherstellen könne, habe sie gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse Anspruch auf einen Blindenführhund. (Die Krankenkasse legte gegen das Urteil Berufung ein.)