Kreuzfahrt ohne "Highlights"

Kunden können Reisepreis mindern, wenn ein Teil des Angebots entfällt

onlineurteile.de - Über zwei Monate dauerte die Luxus-Schiffsreise "Von der Arktis zur Antarktis", die das Ehepaar zum stolzen Preis von 20.889 Euro gebucht hatte. Sie führte von Hamburg nach Grönland, entlang der nordamerikanischen Ostküste in die Karibik, entlang der südamerikanischen Ostküste in die Antarktis und dann nach Feuerland. Weil sie die Geschwindigkeit des Schiffes falsch kalkuliert hatte, konnte die Reederei während der Kreuzfahrt den Reisenden nicht alle im Katalog beschriebenen "Highlights" bieten.

Es entfielen Hafeneinfahrten und einige Stadtbesuche, Schlauchbootfahrten in der Antarktis, eine Flussfahrt im Mündungsdelta des Orinoco und das Kreuzen vor Kap Hoorn. Nach der Kreuzfahrt forderte das enttäuschte Ehepaar vom Reiseveranstalter die Hälfte des Reisepreises zurück. Das Unternehmen zahlte 816 Euro. Mehr komme nicht in Frage, so das Unternehmen, denn von 70 Tagen seien höchstens zehn durch Programmänderungen beeinträchtigt gewesen.

So eine schematische Beurteilung verbiete sich in diesem Fall, urteilte das Oberlandesgericht Köln (16 U 82/07). Denn eine Kreuzfahrt machten Urlauber wegen der Reiseroute mit besonderen kulturellen und landschaftlichen Höhepunkten. Zum Beispiel wegen des Programmpunkts "Kreuzen vor Kap Hoorn", einem der berühmtesten Panoramen dieser Erde. Die Reise sei nicht das Urlaubserlebnis gewesen, für das die Kunden einen hohen Preis gezahlt hätten.

Den Umfang der Minderung des Reisepreises könne man in so einem Fall nicht ermitteln, indem man die Tage, an denen die Reise ohne Mängel war, ins Verhältnis setze zu den Tagen, an denen die versprochenen Leistungen ausfielen. Man müsse vielmehr im Einzelnen die gestrichenen wesentlichen Programmpunkte bewerten, die ein besonderes Erlebnis hätten sein sollen. Auf diese Weise kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass der Reiseveranstalter 3.207 Euro zurückzahlen muss.