Künstliches Kniegelenk implantiert

Gegen Nickel allergische Patientin erhielt Prothese mit Nickelanteil: Aufklärungspflicht?

onlineurteile.de - Vor etwa 20 Jahren verletzte sich eine Frau bei einem Sturz mit dem Fahrrad das Knie. Es folgten Operationen, Wundinfektion, Arthrose. Schließlich riet ihr der Orthopäde zu einem künstlichen Kniegelenk. Doch damit war der Leidensweg der Patientin immer noch nicht zu Ende.

2001 wurde ihr eine "Knieendoprothese" eingesetzt, die einen Bestandteil mit nickelhaltiger Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung enthielt.

Dabei hatte die Frau die Klinikärzte in den Vorbesprechungen darauf hingewiesen, dass sie gegen Nickel allergisch ist. Die Prothese werde aus Titan sein, beruhigten die Mediziner. Etwa ein Jahr nach der Operation nahmen die Beschwerden der Patientin zu: Knieschmerzen, Wundheilungsstörungen, Ausschläge.

Bei einem weiteren Allergietest wurde 2006 die Allergie gegen Nickel, Chrom und Kobalt bestätigt. Ein Inlay wurde ausgetauscht, das half nichts. Nach wie vor kann die Frau nur mit Krücken gehen und leidet unter Schmerzen. Den Ärzten, die sie 2001 operiert hatten, warf die Frau vor, das Allergie-Risiko ignoriert zu haben.

Doch das Oberlandesgericht Naumburg wies ihre Forderung nach Schmerzensgeld ab (1 U 1/11). Weder 2001 noch heute gebe es wirklich gesicherte, medizinische Erkenntnisse darüber, ob eine nickelhaltige Prothese eine allergische Reaktion auslöse oder nicht. Die befragten Experten hätten nicht abschließend beantworten können, was die Probleme der Patientin verursacht habe.

Deshalb sei den Klinikärzten die fehlende Aufklärung über eventuelle allergische Reaktionen nicht als Fehler anzukreiden. Auch einen Allergietest hätten sie nicht durchführen müssen, weil dessen Resultat wenig aussagekräftig sei. Es existiere kein Testverfahren, das eine allergische Reaktion auf eine nickelhaltige Prothese sicher vorhersagen könnte. Daher hätte so ein Test der Patientin auch nicht wirklich Gewissheit verschafft.

Über rein theoretisch denkbare Risiken einer Behandlung müssten Mediziner ihre Patienten nur aufklären, wenn "ernsthafte Stimmen in der medizinischen Wissenschaft" vor Gefahren warnten. Meinungen von Außenseitern seien unbeachtlich, es müsse sich schon um gesicherte Erkenntnisse handeln. Die habe es 2001 auf keinen Fall gegeben. Vielmehr habe jede Klinik dieses Risiko anders eingeschätzt.