Küssen tabu!

Ein Autofahrer küsst seine Beifahrerin und verursacht so einen tödlichen Unfall

onlineurteile.de - Mit einer Geschwindigkeit von 60-70 km/h krachte der VW Golf frontal auf den Peugeot 206 einer jungen Frau. Der Golffahrer hatte seine Freundin auf dem Beifahrersitz geküsst und war auf die Gegenfahrbahn geraten. Die Peugeotfahrerin starb kurze Zeit später an ihren Unfallverletzungen.

Später bekundete ein Zeuge, der hinter dem Golf gefahren war, der Golffahrer habe schon eine ganze Weile Zärtlichkeiten mit der Beifahrerin ausgetauscht. An der Kreuzung habe er nicht einmal bemerkt, dass die Ampel auf "Grün" schaltete — so abgelenkt sei er gewesen. Erst auf sein Hupen hin habe der Golffahrer die Kreuzung überquert. Schon hinter der Kreuzung hätte er beinahe ein entgegenkommendes Auto gerammt, doch dessen Fahrer habe gerade noch ausweichen können.

Der Golffahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung der Autofahrerin zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Von seiner Haftpflichtversicherung forderten der Witwer und das Kind der Getöteten monatlich 1.200 Euro als Ausgleich dafür, dass die Mutter Kind und Haushalt nicht mehr versorgen konnte.

Dieser Betrag stehe den Hinterbliebenen bis zum sechsten Geburtstag des Kindes zu, urteilte das Landgericht Saarbrücken (5 O 17/11). Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers sei zu Schadenersatz in voller Höhe verpflichtet, obwohl die Frau bei dem Unfall den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte.

Das spiele in diesem Fall keine Rolle, so das Landgericht. Denn der Fehler der Autofahrerin trete hinter dem grob fahrlässigen Verhalten des jungen Mannes zurück. Es sei unglaublich leichtsinnig, sich am Lenkrad nicht aufs Autofahren zu konzentrieren bzw. sich derart ablenken zu lassen.

Deshalb hafte der Golffahrer allein für die Unfallfolgen — ganz so, als hätte er sich betrunken ans Lenkrad gesetzt. Sein Fehlverhalten sei ebenso gravierend wie Fahren unter Alkoholeinfluss und verdränge das geringe Mitverschulden der Unfallgegnerin vollständig.