Kurse im Keller

Anlageberatung erwies sich als falsch - haftet die Bank?

onlineurteile.de - Von den Eltern hatte die junge Frau vier Mio. DM geerbt; ca. 1,3 Mio. DM wollte sie einige Jahre anlegen. Zusammen mit ihrem Ehemann eröffnete die Erbin bei ihrer Sparkasse ein Wertpapierdepot und erwarb Aktien- und Immobilienfondsanteile. Zuerst machte sie Gewinn, dann verfielen ab Frühjahr 2000 die Aktienkurse.

Obwohl die Anlage noch in der Gewinnzone lag, fragte der Ehemann im Mai 2000 bei der Bank nach, ob ein Verkauf ratsam sei. Der Leiter der Wertpapierabteilung verneinte dies: Die Börsenkurse würden sich schon wieder erholen. Nach mehreren ähnlichen Gesprächen beschlossen die Eheleute im März 2001, nun doch alle Fondsanteile zu verkaufen. Von der Bank verlangten sie 164.734 Euro Schadenersatz für den bis dahin erlittenen Wertverlust.

Der Bundesgerichtshof (BGH) wies die Klage jedoch ab (XI ZR 63/05). Die Empfehlung der Bank, die Anteile nicht zu verkaufen, sei aus damaliger Sicht vertretbar. Zum Zeitpunkt des Beratungsgesprächs mit dem Ehemann der Anlegerin sei objektiv nicht vorhersehbar gewesen, ob die Kurse weiter fallen würden oder nicht. In so einer Situation sei es nicht zu beanstanden, wenn erfahrene Bankmitarbeiter, die seit vielen Jahren die Kurse beobachteten, deren Wiederanstieg erwarteten und die Kunden darüber informierten. Auch Fachleute könnten die Börsenentwicklung nicht mit Sicherheit vorhersagen, das wisse eigentlich jeder. Fazit des BGH: Das Risiko, dass sich eine Anlageentscheidung trotz guter Beratung im Nachhinein als falsch erweist, trägt der Kunde.