Kursrisiken von Wertpapierfonds

Wenn die Bank optimistische Werbung verschickt, muss sie die Anleger im Verkaufsgespräch um so besser informieren

onlineurteile.de - Im März 2002 flatterte einem Ehepaar Post von der Bank ins Haus. Das Kreditinstitut warb für sein Angebot an Fondsanteilen: "Mit dem B-Dynamik-Depot bieten wir Ihnen ein aktives und professionelles Vermögensmanagement ... in vier Depot-Varianten ... Sicherheit, Wachstum, Chance und Premium, gekennzeichnet durch einen unterschiedlichen Aktienanteil". Und dann hieß es: "Die Wertentwicklung einer Einmalanlage von DM 50.000 im B-Dynamik Depot Wachstum (bis zu 50% Aktienanteil) betrug von Dezember 1993 bis Oktober 2001 ca. 6,9% p.a. ...". Vielversprechend, doch: Danach verzeichnete der Fonds nur noch Verluste, allein von Januar bis Juni 2002 8,48%.

Das Paar las das Schreiben und entschloss sich zum Kauf. Der Ehemann erwarb für 31.000 Euro Anteile am Fonds B Typ Wachstum. Beim Beratungsgespräch in der Bank verlor der Berater kein Wort über die negative Wertentwicklung des Fonds. Der Bankangestellte wies nur allgemein darauf hin, dass bei Wertpapierfonds Kursrisiken nicht auszuschließen seien. In den folgenden Monaten schmolz das angelegte Vermögen ziemlich schnell dahin. Die Klage des Bankkunden auf Schadenersatz hatte beim Kammergericht in Berlin Erfolg (19 U 55/03).

Vergeblich rechtfertigte sich das Kreditinstitut damit, der Kunde habe kein Interesse an ausführlicher Beratung gezeigt und sich bereits zu Hause für die Variante "Wachstum" entschieden. Beim Beratungsgespräch habe der Bankmitarbeiter eine für den Anleger wesentliche Information ausgeblendet, hielten die Richter dagegen, nämlich die aktuellen Verluste des Fonds. Ein abstrakter Hinweis auf Kursrisiken von Wertpapierfonds sei vielleicht gegenüber erfahrenen Anlegern ausreichend, im konkreten Fall aber nicht.

Denn der Kunde habe von Fonds wenig Ahnung und zudem vor dem Gespräch ein Werbeschreiben der Bank erhalten, das ihm den Irrtum nahelegte, es sei eine bestimmte Rendite zu erwarten. Deshalb habe der Kunde wohl auch das Risiko unterschätzt und Beratungsbedarf verneint. Der Bankangestellte hätte dennoch auf die Verluste des "Depots Wachstum" hinweisen müssen. Wegen dieses Versäumnisses müsse die Bank dem Anleger die verlorene Summe ersetzen.