Kuss-Attacke beim Musikunterricht

Musiklehrer muss wegen Nötigung einer Schülerin Geldstrafe zahlen

onlineurteile.de - Der 49 Jahre alte Lehrer erteilte privaten Musikunterricht. Eine seiner Schülerinnen gefiel ihm wohl besonders gut. Jedenfalls versuchte er, zunächst mit Komplimenten und anderen verbalen Annäherungsversuchen, den Kontakt übers Musikalische hinaus zu vertiefen. Die junge Frau stellte aber klar, dass sie das nicht wünschte.

Als sie sich während des Unterrichts frontal gegenüberstanden, zog der Mann die Schülerin so zu sich hin, dass sie ihm nicht ausweichen konnte, und küsste sie auf den Mund. Damit endete der Musikunterricht und begann ein juristisches Scharmützel. Denn die junge Frau erstattete Anzeige. Das Amtsgericht Essen verurteilte den Musiklehrer wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro.

Der Mann legte dagegen Berufung ein und verteidigte sich: Ein Kuss stelle keine Nötigung dar, meinte er. Er habe keine Gewalt ausgeübt, die Frau beim Küssen nicht festgehalten. Doch das Oberlandesgericht Hamm bewertete die Kuss-Attacke anders und bestätigte das Urteil des Amtsgerichts (III-5 RVs 6/13).

Der Angeklagte habe sehr wohl Gewalt angewandt, als er die Schülerin gegen ihren Willen zu seinem Körper herangezogen habe. Nötigung liege vor, wenn ein Täter auf das Opfer unmittelbar körperlichen Zwang ausübe — auch wenn das mit wenig Kraft geschehe. Dieser Tatbestand sei hier erfüllt, weil der Musiklehrer die Schülerin angefasst und zu sich gezogen habe.

Auf diese Weise habe er den Kuss erzwungen. Denn die Schülerin habe zuvor deutlich geäußert, dass sie dem Musiklehrer privat nicht näher kommen wollte. Über diesen Willen habe sich der Mann bewusst hinweggesetzt. Wenn jemand einen Kuss erdulden müsse, stelle dies Nötigung dar — da komme es nicht mehr darauf an, ob die Schülerin beim Küssen immer noch festgehalten wurde.