Lebensgefährtin beschatten lassen

Detektei bekommt kein Honorar: "sittenwidriger Vertrag"

onlineurteile.de - Den eifersüchtigen Mann plagte der Verdacht, seine langjährige Lebensgefährtin betrüge ihn. Er beauftragte eine Detektei damit, die Frau rund um die Uhr zu observieren. Die Schnüffler dokumentierten minutiös ihren Tagesablauf, fanden jedoch keinen Beweis für "ein Verhältnis". Vielleicht war der Auftraggeber ja deshalb mit dem Tätigkeitsbericht der Detektei unzufrieden. Jedenfalls zahlte er die Überwachungskosten (2.297 Euro) nicht. Und bekam in seinem Streit mit der Detektei vom Amtsgericht Siegburg Recht (4 C 805/03).

Der Amtsrichter erklärte den Detektivvertrag für sittenwidrig, obwohl "vergleichbare Verträge in der Praxis weithin üblich" seien. Jemanden zu beschatten, sei ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre. Neugier, Rachegelüste, Eifersucht und ähnliche "negative Motivationen" rechtfertigten einen derartigen Eingriff nicht. Anders wäre die Situation bei einem verheirateten Paar zu beurteilen. Das eheliche Treueversprechen sei rechtlich verbindlich. Und im Hinblick auf ein späteres Scheidungsverfahren könne es notwendig sein, gerichtlich verwertbare Beweise herbeizuschaffen.

Doch eine nichteheliche Lebensgemeinschaft sei unverbindlich und allein auf gegenseitiges Vertrauen angelegt. Jeder Partner könne sie jederzeit beenden und keiner sei zu Treue verpflichtet. Also sei auch der Verdacht auf "Untreue" keine Entschuldigung dafür, die Partnerin zu überwachen. Die Detektei habe alle Umstände gekannt, die den Vorwurf der Sittenwidrigkeit begründen, und hätte deshalb den Auftrag nicht annehmen dürfen. Ein sittenwidriger Vertrag sei unwirksam, daher sei aus ihm auch kein Anspruch auf Honorar abzuleiten.