Lehman-Pleite: 7,4 Mio. Euro Schadenersatz

Privatbank muss Ex-Unternehmer für falsche Anlageberatung entschädigen

onlineurteile.de - Viele Geldanleger, die infolge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 Geld verloren, erlitten mit ihren Schadenersatzklagen ein weiteres Mal Schiffbruch. Denn sie konnten keine fehlerhafte Anlageberatung durch ihre Kreditinstitute nachweisen. Ein Unternehmer-Ehepaar aus Hannover holte dagegen bei der Hamburger Justiz viel heraus: Immerhin 7,4 Millionen Euro Schadenersatz musste die renommierte Privatbank Bethmann den Anlegern zahlen — zusätzlich mehr als eine Million Euro Zinsen.

Landgericht und Oberlandesgericht (OLG) Hamburg sahen hier den Vorwurf falscher Beratung als bewiesen an (14 U 291/10). Die Bethmann Bank habe den wohlhabenden, ehemaligen Unternehmern im April 2008 vorgeschlagen, ihre Commerzbank-Zertifikate abzustoßen und stattdessen Lehman-Zertifikate zu kaufen: Die seien das "bessere Produkt". Das Paar habe bereits Lehman-Papiere besessen. Im Frühjahr 2008 erwarb das Kreditinstitut für die Anleger weitere Zertifikate im Wert von fast 3,7 Millionen Euro.

Bei einem Tausch müssten die Kunden umfassend über Vor- und Nachteile der Papiere aufgeklärt werden, so das OLG. Der Anlageberater habe dem Ehepaar jedoch in Bezug auf die Papiere der Commerzbank ein zu schlechtes Rating genannt. Dass umgekehrt bei Lehman Brothers ein wichtiger Kursindex zu sinken begonnen hatte, habe er verschwiegen. So hätten die Anleger die Papiere nicht richtig vergleichen können. Auch wenn im April 2008 das Insolvenzrisiko für Lehman Brothers möglicherweise noch nicht konkret absehbar gewesen sei: Über Ratings und Risiken der Zertifikate hätte die Bethmann Bank ihre Kunden korrekt informieren müssen.

Davon könne hier keine Rede sein. Noch kurz vor dem Crash, im Juli 2008, habe der Berater bei einem weiteren Gespräch vom Verkauf der Lehman-Zertifikate abgeraten. Das inzwischen herabgestufte Rating und die bereits äußerst negative Berichterstattung über das New Yorker Bankinstitut in den Medien habe er mit keinem Wort erwähnt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs wäre der Anlageberater verpflichtet gewesen, die Kunden darauf hinzuweisen.