Leibliche Mutter oder Stiefmutter als Betreuerin?

Maßgebend ist immer das Wohl des Betreuten

onlineurteile.de - Der Sohn lag im Wachkoma. Die Stiefmutter kümmerte sich in ihrer Wohnung um den Pflegefall. Das passte der leiblichen Mutter nicht, weil sie sich mit der Stiefmutter nicht verstand. Sie wollte den Sohn in einem Heim unterbringen und ihn dort täglich besuchen. So beantragte es die Mutter beim Vormundschaftsgericht, das sie zur Betreuerin des Sohnes erklären sollte. Der zuständige Richter machte sich an Ort und Stelle ein Bild von den Verhältnissen. Dann räumte er der Stiefmutter den Vorrang vor der leiblichen Mutter ein und bestellte die Stiefmutter zur Betreuerin.

Das Bayerische Oberste Landesgericht billigte die Entscheidung (3Z BR 30/04). Für den pflegebedürftigen Mann sei es auf jeden Fall besser, wenn er in der vertrauten Umgebung weiter rund um die Uhr individuell betreut werde. So viel Zuwendung bekomme er in einem Heim nicht, wo sich wenige Pflegekräfte auf viele Patienten aufteilen müssten. Wenn die leibliche Mutter das nicht einsehe, sei sie als Betreuerin ihres Sohnes fehl am Platz.

Die Richter legten den Frauen ans Herz, doch im Interesse des Kranken die gegenseitigen Aversionen hintanzustellen. Besuche sollten reibungslos verlaufen und nicht, wie im Krankenhaus, jedes Mal in Streitereien ausarten. Eine positive und harmonische Atmosphäre wäre für den Kranken wünschenswert und könnte vielleicht sogar zur Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben beitragen.