Leistung unzutreffend beurteilt?

Hat der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer Formulierungen fürs Zeugnis vereinbart, ist die Absprache verbindlich

onlineurteile.de - Als feststand, dass das Arbeitsverhältnis enden würde, sprach die Arbeitgeberin mit der Angestellten ab, was in ihrem Zeugnis stehen sollte. Doch dann kamen dem Personalchef Bedenken: Er fand die geplante Beurteilung objektiv falsch, deshalb hielt er sich nicht an den vereinbarten Wortlaut.

Die vom Zeugnis enttäuschte Arbeitnehmerin zog vor Gericht und verlangte, das Unternehmen müsse ihr Arbeitszeugnis korrigieren. Wenn er wider besseres Wissen ein unzutreffendes Urteil abgebe, könnte er ja vom nächsten Arbeitgeber dafür verantwortlich gemacht werden, wandte der Personalchef des Unternehmens ein.

Das Landesarbeitsgericht Nürnberg verneinte dies (7 Sa 641/08). Diese Gefahr bestehe nicht, auch wenn die Leistung eines Arbeitnehmers falsch bewertet werde und der Arbeitnehmer sich mit diesem Zeugnis bewerbe. Denn der neue Arbeitgeber könne dessen Leistungen selbst beurteilen und in der Probezeit herausfinden, ob der Arbeitnehmer die Anforderungen des Arbeitsplatzes erfülle.

Die Arbeitgeberin müsse daher der Angestellten das Zeugnis mit dem von ihr gewünschten Inhalt ausstellen. Auch wenn die Bewertung objektiv unzutreffend wäre, sei das Unternehmen an die Vereinbarung gebunden. Anders liege der Fall, wenn ein Arbeitszeugnis in Bezug auf die Redlichkeit und Zuverlässigkeit eines Arbeitnehmers einen völlig falschen Eindruck erwecke. Das sei sittenwidrig, weil dann das Risiko bestände, dass der Bewerber/die Bewerberin Vermögen oder Eigentum des neuen Arbeitgebers schädigen könnte.