Leiter eines Fußball-Fanprojekts gefeuert

Er organisierte Veranstaltungen mit rechten Musikgruppen

onlineurteile.de - Fußballclub Schalke 04 hatte den Sozialarbeiter eingestellt, um ein Fanprojekt im Rahmen des nationalen Konzepts "Sport und Sicherheit" zu leiten. Dessen Zweck ist es, die Gewaltbereitschaft mancher Fans einzudämmen und den rechtsextremistischen Tendenzen einiger Fanclubs entgegen zu wirken. Deshalb waren die Verantwortlichen des Vereins ziemlich überrascht, als sie von den außerdienstlichen Aktivitäten des Fanprojektleiters in der so genannten schwarzen Kulturszene erfuhren ("Gothik-Gruftstil-Wave-Szene").

Als DJ legte er Platten rechter Musikgruppen in Diskotheken auf ("Allerseelen", "Blood Axis", "Genocide Organ"). Außerdem hatte der Mann Veranstaltungen organisiert, bei denen Musikgruppen auftraten, die der rechtsradikalen Szene zumindest nahe stehen ("Dernière Volonté" oder "Die Blutharsch", auftretend in national-sozialistisch anmutenden Uniformen). Der Fußballclub reagierte sofort und kündigte dem Fanprojektleiter fristlos, ohne ihn vorher abzumahnen.

Zu Recht, wie Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht Hamm entschieden (14 Sa 157/08). Als Repräsentant des Schalke 04-Fanprojekts mache er sich mit seinen musikalischen Auftritten unglaubwürdig, betonten die Richter. Mit dem Projekt wolle der Fußballverein Gewalt bekämpfen, Vorurteile und Feindbilder abbauen sowie Jugendliche vor dem Abdriften in die rechte Szene bewahren. Diese Ziele müsse ein Fanprojektleiter öffentlich kommunizieren.

Dafür sei der Sozialarbeiter ungeeignet, wenn er statt dessen ohne kritische Distanz Musik rechter Gruppen verbreite. Die von ihm geförderten Musiker stünden rechtsradikalem Gedankengut entweder nahe oder gefährlich gleichgültig gegenüber. Dass dieses Engagement dem Auftrag widerspreche, den der Arbeitnehmer für den Verein erfüllen solle, sei offenkundig. Er habe nicht damit rechnen können, dass der Arbeitgeber so ein Verhalten dulden werde. Unter diesen Umständen erübrige sich eine Abmahnung, die fristlose Kündigung sei wirksam.