Lkw schiebt "Sprinter" auf Wohnmobil

Womo-Besitzerin verklagt Sprinter-Fahrer: Ist er mitverantwortlich für den Schaden?

onlineurteile.de - Der Unfall geschah im Kolonnenverkehr auf einer italienischen Autobahn. Auf der rechten Fahrspur bewegten sich hintereinander ein Wohnmobil, ein Mercedes Sprinter und ein schwerer Lastwagen. Als die Kolonne die Geschwindigkeit drosseln musste, weil sie sich einem Stau näherte, reagierte der Lastwagenfahrer nicht schnell genug. Der Lkw schob den Sprinter von hinten auf das relativ langsam fahrende Wohnmobil auf.

Die Besitzerin des Wohnmobils warf dem Sprinter-Fahrer vor, er sei zu dicht aufgefahren. Seine Kfz-Haftpflichtversicherung sollte deshalb für den Schaden am Womo einstehen. Der Beschuldigte verteidigte sich mit dem Argument, der Unfall sei für ihn unvermeidlich gewesen.

Für ein "unabwendbares Ereignis" haftet ein Autofahrer nämlich nicht — doch das ist vor Gericht eine hohe Hürde: Als "unabwendbar" gilt ein Unfall nämlich nur, wenn ihn selbst ein idealer Fahrer bei idealer Fahrweise mit einem idealen Fahrzeug nicht hätte vermeiden können (bzw. die Folgen nicht hätte verringern können).

Im Unterschied zur Vorinstanz hielt das Oberlandesgericht Celle im konkreten Fall für unabwendbar (14 U 156/11). Geschwindigkeiten und Abstände seien nicht mehr 100-prozentig zu rekonstruieren, räumte das Gericht ein. Nach dem Sachverständigengutachten stehe aber fest, dass die Kolonne ca. 40 km/h gefahren sei und der Sprinter-Fahrer bei dieser Geschwindigkeit nach vorne einen Sicherheitsabstand von 22 Metern hätte einhalten müssen.

Selbst wenn er diesen Abstand unterschritten haben sollte, hätte sich das praktisch nicht ausgewirkt. Bei der Wucht des schweren Lasters (Typ Actros), der ihn von hinten schob, wäre die Kollision auch bei einem größeren Sicherheitsabstand zum Wohnmobil passiert. Daher hafte der Sprinter-Fahrer nicht für die Reparaturkosten: Im fließenden Verkehr könne auch ein idealer Fahrer keinen so großen Abstand zum Vordermann einhalten, dass es garantiert unmöglich sei, von einem schweren Laster mit beliebig hoher Geschwindigkeit auf den Vordermann aufgeschoben zu werden.