Luxusauto stinkt nach Gummi

GmbH darf wegen dieses Mangels den Autokauf rückgängig machen

onlineurteile.de - Die V-GmbH bestellte für ihren Geschäftsführer bei einer Autohändlerin ein Firmenauto — einen Vorführwagen mit einer Laufleistung von 778 km zum Preis von 120.000 Euro. Doch wahre Freude über das luxuriöse Gefährt kam nicht auf: Schon bald beschwerte sich der Mann bei der Verkäuferin über unangenehmen Geruch im Auto. Die Werkstatt der Händlerin reinigte die Lüftungskanäle, ohne Effekt.

Nach einer weiteren Reklamation des Geschäftsführers schickte der Autohersteller sogar Ingenieure zum Autohaus, um die Wurzel des Übels zu suchen. Nun wurden das Reserverad entfernt und die Verkleidung des Kofferraums ausgetauscht. Doch auch nach dieser Aktion roch der Wagen innen nach Gummi. Deshalb erklärte die V-GmbH 14 Monate nach der Übergabe des Autos den Rücktritt vom Kaufvertrag.

Mit Erfolg forderte sie von der Autohändlerin, den Kaufpreis gegen Rückgabe des Fahrzeugs zurückzuzahlen. Das Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken gab der Käuferin Recht (1 U 475/11). Der Wagen habe zwar keine technischen Mängel, so das OLG. Dennoch sei er nicht so beschaffen, wie es bei einem Gebrauchtwagen der Luxusklasse üblich sei. Bei einem fast neuen Auto dieser Kategorie dürfe der Käufer erwarten, im Wagen keiner Geruchsbelästigung ausgesetzt zu sein.

Intensiver, anormaler Geruch nach Gummi, der aus dem Kofferraum ins Fahrzeuginnere gelange, stelle einen Sachmangel dar. Der Sachverständige habe ihn zwar abgemildert, indem er die fehlende Verschlusskappe des Gehäuses am Innenraumfilter ergänzt habe. So sei der Mangel provisorisch behoben oder wenigstens verbessert worden. Der Gestank schmälere aber immer noch sporadisch den Fahrkomfort. Das müsse die Käuferin nicht hinnehmen.

Dazu komme: Als die V-GmbH den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt habe, habe der Sachverständige das Fehlen der Verschlusskappe und ihren Zusammenhang mit dem Gummigeruch noch nicht entdeckt gehabt. Zu diesem Zeitpunkt sei unklar gewesen, wo er herkam. Zwei Reparaturversuche seien bereits fehlgeschlagen, weitere schienen wenig Erfolg zu versprechen. Zu Recht habe daher die Käuferin den Kaufpreis zurückverlangt.