Manager will Zeugnis

Wer ist für die Beurteilung zuständig, wenn ein Unternehmen pleite geht?

onlineurteile.de - Einer Unternehmerin ging das Geld aus. Das Gericht bestellte einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Von diesem verlangte ein Verkaufsmanager der Firma ausstehendes Gehalt und ein Arbeitszeugnis. Als das Gehalt weiter ausblieb, kündigte der Mitarbeiter das Arbeitsverhältnis fristlos und versuchte außerdem, mit einer Klage gegen den - inzwischen endgültig bestellten - Insolvenzverwalter durchzusetzen, dass man ihm ein Zeugnis ausstellte. Der Verwalter vertrat den Standpunkt, für das Zeugnis sei die frühere Arbeitgeberin zuständig.

Das Bundesarbeitsgericht schaffte Klarheit in dieser Rechtsfrage (10 AZR 495/03). Werde ein Arbeitsverhältnis beendet, bevor das Insolvenzverfahren eröffnet sei, müsse grundsätzlich der Arbeitgeber das Arbeitszeugnis erteilen. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter, der - wie hier - über die Arbeitsverhältnisse nicht verfügen dürfe, nehme keine Arbeitgeberstellung ein. Daher sei er weder befugt, noch dazu verpflichtet, Mitarbeiter zu beurteilen.

Werde das Arbeitsverhältnis aber erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beendet, sei der Insolvenzverwalter dafür zuständig. Er müsse dann den Arbeitnehmer beurteilen, unabhängig davon, ob und wie lange er ihn beschäftigt habe und ob er über dessen Arbeitsleistung Bescheid wisse. Um diese beurteilen zu können, müsse er im Zweifelsfall Auskunft vom pleite gegangenen Arbeitgeber verlangen.