Mercedes-Schlüssel auf dem Präsentierteller

Autoversicherer zahlt nach Diebstahl des Wagens nicht

onlineurteile.de - Den Zweitschlüssel für seinen Mercedes hatte der Wirt immer schon in einer Tonschale auf dem Tresen aufbewahrt. Keiner würde es wagen, da einfach reinzugreifen, dachte er. Als der Mercedes dann eines Tages verschwunden war, staunte er sehr. Und noch mehr, als die Autoversicherung sich weigerte, für den Diebstahl zu zahlen.

Autobesitzer müssten auf Auto und Schlüssel gut aufpassen, teilte ihm der Versicherer mit. Er dagegen habe die Schlüssel quasi auf den Präsentierteller gelegt. Während des Geschäftsbetriebs habe sie jeder Gast vom Tresen wegnehmen können. Möglich wäre es allerdings auch, dass die Schlüssel bei einem Einbruch geklaut wurden. Denn durch das ebenerdige Oberlicht (über 90 cm breit, 60 cm hoch), das der Wirt ausgebaut habe, könne man ohne Weiteres durchschlüpfen.

So sah es auch das Oberlandesgericht Celle: Der Versicherer müsse nicht zahlen, weil der Versicherungsnehmer grob fahrlässig gehandelt habe (8 U 31/05). Während des Restaurantbetriebs könne der Wirt auf die Schlüssel nicht zuverlässig aufpassen, seine Mitarbeiter ebenso wenig. Also hätte er sie zumindest in der Küche hinterlegen sollen, wo sie nicht für jedermann sichtbar und erreichbar gewesen wären. Auch wenn Einbrecher nachts die Schlüssel gestohlen hätten, müsse man dem Wirt vorwerfen, jede Sorgfalt außer Acht gelassen zu haben. Durch das ausgebaute Fenster habe jeder Einbrecher ein leichtes Spiel.