Mit Behinderten auf Reisen

Muss die Reiseleiterin einzelne Reisende intensiver betreuen, ist das kein Grund für Beschwerden

onlineurteile.de - Wenn am Anfang schon etwas schief geht, neigen manche Reisende dazu, alles sehr kritisch zu sehen. So auch ein Münchner Ehepaar, das im November 2010 an einer Studienreise nach Südafrika teilnahm (Kostenpunkt: 9.990 Euro). Der Hinflug verzögerte sich um fast fünf Stunden, der für den ersten Tag geplante Ausflug konnte daher erst einen Tag später stattfinden. Im Hotelbad in Kapstadt schimmelte es. Und auf der Fahrt nach Pretoria musste die Gruppe wegen einer Buspanne warten.

Die zwei Münchner hatten ohnehin das Gefühl, ständig warten zu müssen: Denn die Reiseleiterin kümmerte sich ihrer Meinung nach hauptsächlich um eine fast blinde Frau in der Reisegruppe. Das habe den "zeitlichen Ablauf der Studienreise" permanent verzögert und drei Wochen lang gestört, warf das Ehepaar dem Reiseveranstalter vor. Die Verantwortlichen dürften auf so einer Reise nur Teilnehmer mitnehmen, die den Strapazen auch gewachsen seien.

Für den "Reisemangel" verlangte das Ehepaar 714 Euro zurück. Der Reiseveranstalter zahlte zwar 485 Euro, um andere Pannen auszugleichen, weigerte sich aber, wegen der behinderten Mitreisenden Entschädigung zu leisten.

Zu Recht, entschied das Amtsgericht München: Wenn behinderte Menschen an einer Reise teilnehmen, sei das kein Mangel (223 C 17592/11). Diese Meinung gehe von vornherein fehl. Ein Reisemangel liege nur vor, wenn die Reiseleistungen nicht dem entsprechen, was der Veranstalter den Kunden an Reiseleistungen schulde. Ein Reiseunternehmen verpflichte sich mit dem Reisevertrag aber nicht dazu, nur Menschen ohne Handikap als Mitreisende zuzulassen.

Das Ehepaar sollte sich freuen, dass es nicht behindert sei, anstatt sich darüber zu beschweren, dass auch behinderte Menschen reisen wollten und dabei etwas intensivere Betreuung benötigten. Das sei eben das allgemeine Risiko einer Gruppenreise.