Mit dem Porsche an die Leitplanke ...

Unfallflucht: Schadensmeldung beim Kaskoversicherer am Tag danach

onlineurteile.de - Es geschah an einem Sonntag: Bei starkem Regen verlor ein Porschefahrer auf der Autobahn die Kontrolle über seinen Wagen. Er krachte gegen die rechte Leitplanke, drehte sich und blieb erst 100 Meter entfernt auf der Standspur stehen. Später gab der Mann zu Protokoll, er sei nicht mehr zur Kollisionsstelle zurückgegangen, "weil es geregnet habe". Von seinem Standort aus habe er keine Schäden an der Leitplanke gesehen. Deshalb sei er zum nächsten Autobahnparkplatz weitergefahren und habe dort die Hotline seiner Kaskoversicherung angerufen. Man habe ihm geraten, den Unfall am Montag seinem Versicherungsagenten zu melden. Daran habe er sich gehalten.

Dieses Telefongespräch habe niemals stattgefunden, hielt der Kaskoversicherer dem entgegen. Der Versicherungsnehmer habe Unfallflucht begangen und müsse deshalb die Reparaturen am Wagen (21.000 DM) und an der Leitplanke (3.000 DM) aus eigener Tasche zahlen. So beurteilte auch das Oberlandesgericht Hamm den Fall (20 U 193/02). Statt die Polizei zu rufen und Feststellungen zu seiner Person, zum Unfallhergang und zum Schadensumfang zu ermöglichen, habe sich der Unglücksfahrer von der Unfallstelle entfernt. Dafür gebe es keine Rechtfertigung: Aus dem Zustand seines Porsches habe der Autofahrer erschließen können, dass auch die Leitplanke beschädigt sein musste.

Trotz Regens sei es zumutbar, jenseits der Leitplanken eine Weile auf die Polizei zu warten. Nur so wahre der Versicherungsnehmer das Interesse seines Kaskoversicherers an der Aufklärung des Unfalls. Am nächsten Tag sei nicht mehr feststellbar, ob der Autofahrer zum Unfallzeitpunkt fahrtüchtig war. Dass der Porschefahrer die Hotline angerufen habe, sei nicht belegt, spiele aber letztlich keine Rolle: Unfallflucht koste den Versicherungsschutz, auch wenn der Autofahrer den Schaden am nächsten Tag melde.