Mit dem Porsche im Straßengraben gelandet

Fahrer kann Wildwechsel als Unfallursache nicht beweisen

onlineurteile.de - Die Spritztour endete im Straßengraben: Zu nächtlicher Stunde wollte ein Autohändler seinem Neffen den brandneuen Porsche 996 C 2 vorführen. Es war dunkel und regnete. Trotz der guten Straßenlage des Flitzers kam der Wagen in einer scharfen Rechtskurve von der Fahrbahn ab und landete im Straßengraben.

Vergeblich forderte der Autohändler von der Kfz-Versicherung 23.709 Euro für die Autoreparatur. Die Teilkaskoversicherung müsse die Kosten übernehmen, weil ein Reh den Unfall verursacht habe, meinte er. Das Tier sei vor der Kurve plötzlich auf die Straße gesprungen und gegen den Wagen geprallt. Deshalb sei er ins Schleudern gekommen. So erzählte es auch der Neffe vor Gericht. Doch die Richter des Oberlandesgerichts Hamm glaubten nicht an einen Wildunfall (20 U 29/04).

Sie vermuteten, der Neffe wolle dem Onkel mit seiner Zeugenaussage helfen. Zwar spreche ein Verwandtschaftsverhältnis nicht grundsätzlich gegen die Glaubwürdigkeit eines Zeugen. Doch hier gebe es Anlass zu erheblichen Zweifeln. Denn gegenüber den Polizeibeamten, die den Unfall an Ort und Stelle aufnahmen, hätten Onkel und Neffe kein Reh erwähnt. Dabei wäre reichlich Gelegenheit gewesen, über die Unfallursache zu reden. Angeblich hätten die Polizisten ja zugesehen, wie sie versuchten, das Auto aus dem Graben zu ziehen und sich "darüber totgelacht". In so einer Situation sei normalerweise der Unfallhergang Gesprächsthema - doch niemand habe über den Zusammenstoß mit einem Reh gesprochen. In Wirklichkeit sei der Händler wohl zu schnell in die Kurve gefahren.