Mit der Rumflasche in den Finger geschnitten

Inhaber von Supermärkten können Kunden nicht vor allen denkbaren Schäden beschützen

onlineurteile.de - Beim Einkaufen im Supermarkt nahm eine Kundin eine Flasche Rum aus einer Flaschenpyramide und schnitt sich in den Mittelfinger der rechten Hand. Sie hatte nicht gesehen, dass der Flaschenhals zerbrochen war. Vom Inhaber des Supermarkts verlangte die Frau 1.000 Euro Schmerzensgeld.

Begründung: Sie habe unter starken Schmerzen gelitten. Die Wunde habe die ganze Nacht geblutet und sei erst nach über zwei Wochen verheilt. Da sie in dieser Zeit keine Hausarbeiten erledigen konnte, habe sie für 860 Euro eine Haushaltshilfe beschäftigen müssen. Den Betrag müsse der Ladeninhaber ebenfalls ersetzen. Die Angestellten des Supermarkts hätten die kaputte Flasche bemerken müssen, als sie die Pyramide aufstellten. Deren Nachlässigkeit müsse sich der Inhaber zurechnen lassen.

Dem widersprach das Amtsgericht München (283 C 2822/12). Ladenbesitzer müssten keineswegs für jede Unbill einstehen, die Kunden im Geschäft widerfahre, so die Amtsrichterin. Sie seien nicht verpflichtet, vorbeugend Maßnahmen gegen alle denkbaren Möglichkeiten eines Schadens zu ergreifen. Sondern nur dann, wenn ein Risiko nahe liegend und Sicherheitsmaßnahmen wirtschaftlich zumutbar seien.

Das treffe hier jedoch nicht zu — nicht einmal die Kundin habe beim Herausnehmen der Flasche erkannt, dass sie beschädigt war. Darauf, dass das nicht auffiel, könne sich dann auch der Ladenbesitzer berufen. Er müsse nicht damit rechnen, dass sich in der Flaschenpyramide eine zerbrochene Flasche befinde. Und er müsse auch nicht ständig Regale oder Flaschenpyramiden nach Gefahren für die Kunden durchsuchen (lassen).