Mit gefälschtem Zeugnis beworben

Arbeitgeber ficht wegen arglistiger Täuschung den Arbeitsvertrag an

onlineurteile.de - Nach einer Ausbildung zum Anlagenmechaniker Versorgungstechnik hatte der junge Mann 1994 die Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer bestanden: mit der Note "ausreichend" (54 Punkte) in der schriftlichen Prüfung, mit der Note "befriedigend" (70 Punkte) in der praktischen Prüfung. 1997 bewarb er sich bei einem Zulieferunternehmen für die Automobilindustrie um eine Stelle als Schweißer. Um seine Chancen zu verbessern, fälschte er sein Prüfungszeugnis. Die Bewertung der schriftlichen Prüfung veränderte er in "befriedigend" (65 Punkte), die der praktischen Prüfung in "gut" (89 Punkte). Er wurde eingestellt.

Acht Jahre später wurde ein anderer Arbeitnehmer mit gefälschtem Zeugnis ertappt. Aus diesem Anlass überprüfte das Unternehmen alle Bewerbungsunterlagen auf ihre Echtheit und kam dem Schweißer auf die Schliche. Sofort focht der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag an. Dagegen wehrte sich der Arbeitnehmer und pochte darauf, seine Arbeitsleistung sei die ganze Zeit über nie beanstandet worden. Das half ihm vor dem Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg jedoch nicht weiter (5 Sa 25/06).

Auf seine Arbeitsleistung komme es hier nicht mehr an. Eine mit krimineller Energie ausgeführte Fälschung zerstöre das Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien. Der Arbeitnehmer habe den Arbeitgeber nur durch arglistige Täuschung dazu gebracht, ihn einzustellen. Denn anhand der Zeugnisse treffe das Unternehmen eine Vorauswahl und lade zu Bewerbungsgesprächen nur die besten Bewerber ein. Ein fairer Vergleich unter ihnen sei nur möglich, wenn die Qualifikationsnachweise stimmten.

Das Unternehmen müsse die Fälschung auch deshalb ahnden, weil es sich offenbar nicht um einen Einzelfall handelte. Wenn es sich herumspräche, dass Mitarbeiter trotz Vorlage gefälschter Zeugnisse ihren Job behielten, stünde der Ruf des Unternehmens auf dem Spiel. (P.S.: Wird ein Vertrag erfolgreich angefochten, ist er von Anfang an unwirksam. Das Arbeitsverhältnis ist damit sofort - ohne Kündigungsfristen einzuhalten - beendet.)