Mit Luftgewehr auf Schüler geschossen

Schüler leicht verletzt: Dem Übeltäter wird wegen hohen Aggressionspotentials der Führerschein entzogen

onlineurteile.de - Ein 24-Jähriger "hing" mit Freunden in seiner Wohnung ab. Mit einem Luftgewehr — für das er keinen Waffenschein hatte — zielte er durch ein offenes Fenster auf einen nahegelegenen Schulhof. Dort standen in der Pause mehrere Schülergruppen herum. "Das wäre ein guter Kopftreffer", sagte der junge Mann und schoss auf einen 13-jährigen Schüler, der ihm den Rücken zudrehte. Er traf ihn an der Schulter, das Geschoss verursachte einen Bluterguss.

Diese sinnlose Attacke brachte dem Übeltäter ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, unerlaubten Waffenbesitzes und Schusswaffengebrauchs ein. Er wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Darüber hinaus forderte ihn die Straßenverkehrsbehörde auf, ein medizinisch-psychologisches Gutachten zu seiner Fahreignung beizubringen.

Das fiel negativ aus: Das hohe Aggressionspotential des jungen Mannes lasse auch erhebliche Verkehrsverstöße erwarten, befand der Gutachter des TÜV Süd. Daraufhin wurde dem Schützen der Führerschein entzogen. Dagegen wehrte er sich: Sein Fehlverhalten habe keinerlei Bezug zum Straßenverkehr, da habe er sich noch nie ungesteuert oder regelwidrig verhalten.

Doch das Verwaltungsgericht (VG) Neustadt erklärte den Entzug der Fahrerlaubnis für rechtmäßig (3 L 168/16.NW). An der Richtigkeit des Gutachtens gebe es keine Zweifel, fand das VG. Überzeugend werde ausgeführt, dass Forschungsergebnisse einen engen Zusammenhang zwischen strafrechtlichen Delikten, Aggressivität und Auffälligkeiten im Straßenverkehr belegten. Personen, die generell wenig Rücksicht auf Regeln und Gesetze nähmen, setzten sich auch über Verkehrsvorschriften hinweg.

Hohes Aggressionspotential lasse auch im Verkehr impulsives und wenig kontrolliertes Verhalten erwarten. Der Straftäter habe im Gespräch keine Einsicht oder Reue gezeigt und äußere Umstände (das geladene Gewehr!) für die Tat verantwortlich gemacht oder seinen Cousin, der ihn ungünstig beeinflusse. Dass er mit dem Schuss einen Menschen verletzt habe, behandle er als nebensächlich. Angesichts dieser Einstellung sei die Schlussfolgerung des Gutachters, es seien auch künftig Verstöße gegen verkehrsrechtliche und andere Regeln zu erwarten, durchaus nachvollziehbar.