Moderne Autos leben länger

Nach einem Unfall ist deshalb auch bei älteren Fahrzeugen ein merkantiler Minderwert zu berücksichtigen

onlineurteile.de - Das Unfallfahrzeug war fünf Jahre alt und hatte 122.000 km auf dem Tacho. Ein Sachverständiger schätzte die Reparaturkosten auf rund 4.200 Euro. Denn es waren Querträger auszuwechseln und das Heck rückzuverformen. Der Geschädigte wollte von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers auch dafür entschädigt werden, dass er bei einem Weiterverkauf nun einen geringeren Preis erzielen würde. Der Versicherer lehnte es aber im Hinblick auf Alter und Laufleistung des beschädigten Wagens ab, bei der Berechnung des Schadensumfangs einen "merkantilen Minderwert" zu berücksichtigen.

Doch das Amtsgericht Rendsburg sprach dem Autobesitzer die geforderte Entschädigung zu (11 C 334/05). Die Lebensdauer von Kraftfahrzeugen sei höher als früher, weil sie (wegen vollverzinkter Karosserien) später rosteten und die Motoren haltbarer seien. Daher würden auf dem Gebrauchtwagenmarkt auch Fahrzeuge bis zu einer Lebensdauer von 12 Jahren angeboten und verlangt. Auch Schätzorganisationen gäben Notierungen für unfallfreie Gebrauchtfahrzeuge bis zu diesem Alter ab.

Unter diesen Umständen hielt es der Amtsrichter nicht für übertrieben, bei einem fünf Jahre alten Wagen von einer merkantilen Wertminderung auszugehen. Selbst Altfahrzeuge ließen sich nach einem Unfall, auch wenn die Reparatur fachgerecht durchgeführt wurde, schlechter verkaufen. Werde der Käufer pflichtgemäß über Unfallschäden unterrichtet, werde er auch bei einem älteren Wagen einen Preisabschlag verlangen und erhalten.