"Morbus Sudeck" nach ärztlicher Fehldiagnose

Ursächlicher Zusammenhang zwischen Fehler und Folgeschaden?

onlineurteile.de - Mit einem Hammer hatte sich der Mann im Herbst 2002 auf den linken Zeigefinger geschlagen. Sein Orthopäde fertigte ein Röntgenbild an und diagnostizierte eine starke Prellung. Der Mediziner verband den Finger, schrieb den Patienten aber nicht krank. Ein paar Wochen danach verletzte sich der Mann während der Arbeit erneut am Zeigefinger und suchte einen anderen Arzt auf. Dr. B stellte fest, dass der linke Zeigefinger schon beim ersten Mal gebrochen und nicht geprellt war.

Hätte der Orthopäde das Röntgenbild richtig ausgewertet und den Bruch erkannt, hätte er die Hand ruhig stellen und den Patienten arbeitsunfähig schreiben müssen. Später trat am verletzten Finger "Morbus Sudeck" auf (eine "Heilentgleisung", d.h. schmerzhafte Gewebedegeneration). Seit 2004 ist der Mann arbeitsunfähig und bezieht Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Vom Orthopäden forderte er Entschädigung.

Das Oberlandesgericht (OLG) wies die Klage ab: Es stehe nicht mit Gewissheit fest, ob der Morbus Sudeck durch die Fehlbehandlung entstanden sei. Er könnte auch Folge des Unfalls sein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil des OLG auf, weil es die Hürde für den vom Patienten zu führenden Beweis zu hoch gelegt habe, und verwies die Sache zurück (VI ZR 221/06).

Die Fraktur sei übersehen (Diagnosefehler) und der Patient daher nicht sachgemäß behandelt worden. Das sei der Primärschaden. Wenn es um einen Folgeschaden (oder Sekundärschaden) wie Morbus Sudeck gehe, müsse der Patient den ursächlichen Zusammenhang zwischen Schaden und ärztlicher Fehlbehandlung nicht voll beweisen ("mit Gewissheit"). Wenn sich der Morbus Sudeck "überwiegend wahrscheinlich" durch die fehlerhafte Behandlung entwickelt habe ("typische Folge"), reiche das aus, um eine Haftung des Arztes zu begründen.

Dies müsse das OLG nun mit Hilfe von Sachverständigen aufklären.