Motorrad contra Reh

Motorradfahrer stürzt bei Vollbremsung wegen Wildwechsels

onlineurteile.de - An einem Sommertag waren zwei Freunde auf ihren Motorrädern unterwegs. Sie kamen durch ein Waldstück, an dessen Rand ein Verkehrszeichen vor "Wildwechsel" warnte. Und tatsächlich kreuzten einige Rehe ganz plötzlich die Landstraße. Der Vorausfahrende stieg voll in die Bremse, infolgedessen blockierte das Hinterrad der Maschine. Fahrer und Maschine stürzten und schlitterten nur so über die Straße. Zum Glück kam der Mann mit Schürfwunden davon; sein Begleiter schaffte es gerade noch rechtzeitig, das Motorrad zum Stehen zu bringen.

Vergeblich verlangte der Fahrer von seiner Teilkaskoversicherung Ersatz für die Schäden am Motorrad. Der Versicherer winkte ab: Der Versicherungsnehmer sei trotz des Warnschilds zu schnell gefahren und habe den Unfall grob fahrlässig verschuldet. Außerdem habe der Kfz-Sachverständige bezweifelt, dass das Motorrad direkt mit Haarwild zusammengestoßen sei. Davon war auch das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz nicht überzeugt (10 U 1415/05). Der Motorradfahrer habe aber Anspruch auf Ersatz so genannter "Rettungskosten", entschied das OLG.

Denn der Versicherungsnehmer habe das Motorrad bei einem Ausweichmanöver beschädigt. Dadurch habe er eine Kollision mit den Rehen vermeiden, sprich: sein Leben und das versicherte Fahrzeug vor Schaden bewahren wollen. Werde bei so einer Rettungsaktion das Fahrzeug auf andere Weise beschädigt, müsse die Teilkaskoversicherung dafür aufkommen.

Von verkehrswidriger Fahrweise könne hier keine Rede sein: Auf dieser schnurgeraden Landstraße sei die Geschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt. Der Motorradfahrer sei nur etwa 80 bis 90 km/h schnell gefahren. Auf die Gefahr des Wildwechsels habe sich der Verkehrsteilnehmer also durchaus eingestellt, indem er unter der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit blieb.