Motorrad während der Probefahrt geklaut

Teilkaskoversicherung muss den Verlust des leichtsinnigen Verkäufers ersetzen

onlineurteile.de - Seine Frau erwartete ein Kind und die Familie brauchte Geld. Deshalb beschloss der begeisterte Motorradfahrer schweren Herzens, sich von seinem Motorrad (ca. ein Jahr alt, Marke BMW 1200 GS) zu trennen. Im Internet gab er ein Inserat auf. Daraufhin erschien ein Kaufinteressent auf einem älteren Yamaha-Motorrad (FJ 1100) und stellte sich als "Josef Krause" vor.

Ohne sich einen Personalausweis zeigen zu lassen, übergab ihm der Eigentümer das BMW-Motorrad für eine Probefahrt. Die Fahrzeugpapiere behielt er. Während der Probefahrt verschwand der vermeintliche Herr Krause und ward nicht mehr gesehen. Später stellte sich heraus, dass dessen altes Motorrad für 600 Euro als Bastlerfahrzeug erworben und nicht umgemeldet worden war. Deshalb war der Käufer nicht zu ermitteln - ein Herr Krause existierte nicht.

Die Teilkaskoversicherung des BMW-Besitzers weigerte sich, den Verlust zu ersetzen. Der Versicherungsnehmer habe grob fahrlässig gehandelt. Einem unbekannten Menschen dürfe man so ein hochwertiges Fahrzeug nicht anvertrauen. Das Oberlandesgericht Köln stellte sich jedoch auf die Seite des Motorradfahrers (9 U 188/07).

Natürlich sei es leichtsinnig gewesen, sich keinen Ausweis vorlegen zu lassen. Doch als grob fahrlässig sei das Verhalten des BMW-Besitzers nicht zu bewerten. Die Fahrzeugpapiere habe er nicht herausgegeben. Und außerdem habe der vermeintliche Käufer als Sicherheit sein Motorrad zurückgelassen. Die Yamaha stellte in den Augen des Verkäufers einen gewissen Wert dar und sei zum Straßenverkehr zugelassen gewesen. Der Verkäufer habe deshalb geglaubt - und das sei ja nicht abwegig -, Herrn Krause notfalls auch über das Kennzeichen ermitteln zu können. (Die Revision gegen das Urteil wurde zugelassen.)