Motorradfahrer contra Linksabbieger

Fährt ein Wagen auffällig langsam, darf nicht überholt werden!

onlineurteile.de - Ein Motorradfahrer wollte auf einer geraden Landstraße an einem Auto vorbeiziehen. Der Autofahrer nervte ihn, denn er fuhr extrem langsam. Beim Überholen kollidierten die Fahrzeuge, weil der Autofahrer nach links abbog. Der Motorradfahrer verklagte ihn auf Schadenersatz: Der Autofahrer habe weder geblinkt, noch in den Rückspiegel geschaut. Daher trage er die alleinige Schuld an dem Unfall, meinte der Motorradfahrer.

Doch zu seiner Überraschung kreidete ihm das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf ein (hälftiges) Mitverschulden an (1 U 175/07). In so einer Situation dürfe man nicht überholen, so das OLG. Wenn ein vorausfahrender Wagen über längere Zeit auffällig langsam fahre - so wie hier mit ca. 18 km/h -, bestehe eine "unklare Verkehrslage". Das bedeute: Die Situation sei nicht eindeutig zu beurteilen, jedenfalls sei nicht mit gefahrlosem Überholen zu rechnen.

Selbst ungeübte Fahrer (die berühmt-berüchtigten "Sonntagsfahrer" oder "Spazierfahrer") würden auf einer geraden und übersichtlichen Landstraße nicht so dahinschleichen, wenn 100 km/h erlaubt seien. Daher liege in so einem Fall der Gedanke nahe, dass der Fahrer vorhaben könnte, nach links abzubiegen. Jedenfalls dürften die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer nicht darauf vertrauen, dass alles seine Ordnung habe.