Muskelriss eines Torwarts beim Abschlag: Unfall?

Der Aufprall des Balles auf den Fuß ist ein "von außen auf den Körper wirkendes Ereignis"

onlineurteile.de - Während eines Fußballspiels war es passiert, als der Torwart den Ball ins Feld zurück schlug. Beim Abschlag mit dem linken Fuß spürte er einen stechenden Schmerz: ein Muskel war gerissen. Die langwierige Verletzung zog auch einen langwierigen Streit mit der Unfallversicherung nach sich. Wie so häufig ging es dabei um die Frage: War es ein Unfall im Sinne der Versicherungsbedingungen?

Diese Frage beantwortete das Oberlandesgericht (OLG) München mit "ja" und sprach dem Sportler Versicherungsleistungen von 14.400 Euro zu, weil sein linkes Bein einen dauerhaften Schaden davon getragen hatte (25 U 3980/11).

Der medizinische Sachverständige erklärte, der Torwart habe Bein und Fuß ganz ausgestreckt und dabei die Muskulatur maximal angespannt. Deshalb habe der Muskel die Wucht des aufprallenden Fußballes nicht abfangen können und sei gerissen. Die Hebelkräfte durch den Ballkontakt seien besonders hoch gewesen, weil der Torwart den Ball nicht mit dem Rist, sondern mit der Oberseite der Zehen getroffen habe.

Das genügte dem OLG, um einen Unfall zu bejahen: Nach den Versicherungsbedingungen müsse der Gesundheitsschaden durch einen "Kontakt des Körpers des Versicherten zur Außenwelt" (= durch ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis) entstanden sein. Das treffe hier zu: Der Einriss des Muskels sei nicht durch die eigene Bewegung des Torwarts herbeigeführt worden, sondern erst durch den aufprallenden Ball und die dabei auf den Muskel einwirkenden Kräfte.

Die Kollision sei auch "plötzlich" erfolgt, obwohl der Sportler den Abschlag ausführen wollte: "Plötzlich" sei nicht immer gleichzusetzen mit "unerwartet". Es könne auch bedeuten: schnell, in sehr kurzer Zeit. In diesem Sinne sei der Aufprall des Balles als "plötzliches Ereignis" anzusehen. Ein (fast) nach Plan ablaufender Vorgang schließe einen Unfall nicht aus. Der Torwart habe sich die Verletzung auch "unfreiwillig" zugezogen: Planmäßig einen Abschlag auszuführen, bedeute nicht, sich freiwillig zu verletzen. Mit solchen Folgen habe der Sportler nicht rechnen müssen.