Muss ein Architekt optimal planen?

Auftraggeberin beruft sich auf Baumängel

onlineurteile.de - Es handelte sich um ein umfangreiches Bauvorhaben mit zehn Mehrfamilienhäusern und 111 Wohneinheiten in München. 1994 wurde ein Architekt mit der Planung beauftragt, acht Jahre später wollte die Bauherrin an seinen Geldbeutel - wegen angeblicher Baumängel. Sie hielt ihm u.a. vor, er habe bei der Bauplanung des Öfteren nicht die kostengünstigste bzw. die objektiv beste Lösung gewählt. Über 13.000 Euro Schadenersatz sollte der Architekt deshalb blechen.

Das Oberlandesgericht München sprach der Bauherrin 3.150 Euro zu, weil der Architekt in einem Punkt gegen die Regeln der Baukunst verstoßen hatte (13 U 5690/03). Grundsätzlich gelte: Architekten seien nicht verpflichtet, für ein Bauvorhaben die objektiv bestmögliche Lösung zu finden oder stets die kostengünstigste Variante zu planen. Derartige Anforderungen würden zu einer uferlosen Haftung der Architekten führen. Sie wären gezwungen, jedes Detail einer Bauplanung daraufhin zu untersuchen, ob nicht eine kostenmindernde oder kostenneutrale Alternative in Betracht komme. (Anders sei die Sache zu beurteilen, wenn es um Kernbereiche der Planung gehe bzw. um Punkte, auf die der Bauherr ausdrücklich größten Wert legte.)

Im konkreten Fall habe z.B. eine Absturzsicherung gefehlt. Auf Vorschlag eines Sachverständigen seien dann Schutzgitter angebracht worden. Das sei technisch vertretbar und von der Bauherrin zu akzeptieren, auch wenn sie diese Lösung unschön finde. Hätte man von vornherein geplant, unterteilte Kippfenster einzubauen, hätte man sich zwar die Schutzgitter (auch kostenmäßig) sparen können. Dies begründe aber noch keinen Anspruch auf Schadenersatz.