Nach Sturz: Handgelenk nicht geröntgt

Das ist ein grober Kunstfehler des Arztes

onlineurteile.de - Bei einem Sturz auf Glatteis verletzte sich ein Mann am Handgelenk. Erst nach einer Woche ging er zum Arzt, weil es immer noch wehtat. Der Mediziner untersuchte und "deblockierte" das Handgelenk. Anschließend empfahl er dem Patienten, wieder in die Praxis zu kommen, falls die Beschwerden nicht nachließen. Da der Arzt das Handgelenk nicht röntgen ließ, übersah er einen Kahnbeinknochenbruch.

Infolgedessen entwickelte sich eine Pseudarthrose (= ein nicht knöchern fest verheilter Bruch). Der Mann konnte seine Hand nur noch eingeschränkt gebrauchen, was sich negativ auf seine berufliche Karriere auswirkte. Vom Arzt verlangte er Schmerzensgeld, insgesamt 35.000 DM sprachen ihm die Gerichte zu. In so einem Fall kein Röntgenbild anfertigen zu lassen, sei ein grober Fehler, der einem Arzt schlechterdings nicht passieren dürfe, erklärte das Kammergericht in Berlin (20 U 398/01).

Bei Schmerzen am Handgelenk nach einem Unfall gehöre eine Röntgenaufnahme zum Standard in der Diagnostik, wie der medizinische Sachverständige erläutert habe. Nach einem Sturz müsse man immer auch an einen Kahnbeinbruch denken und diesen ausschließen - und zwar, bevor man am Gelenk manipuliere. Denn das könne ein gebrochenes Gelenk noch weiter schädigen. Werde eine Fraktur erkannt, führe eine konsequente konservative oder operative Behandlung fast immer zum Erfolg. Der ärztliche Kunstfehler sei daher die direkte Ursache des bleibenden Schadens am Handgelenk.