Nächtliche Schlägerei vor der Disko

Der schwer verletzte Verlierer bekommt keine Opferentschädigung vom Staat

onlineurteile.de - In einer Duisburger Disko gab es im Januar 2010 eine Rangelei zwischen einem 33-jährigen Deutschen und einem amerikanischen Soldaten. Der Soldat sei "äußerst aggressiv" gewesen und habe eine "Statur wie Mike Tyson" gehabt, erklärten Zeugen hinterher. Nichtsdestotrotz ließ sich der Deutsche etwas später am Abend draußen vor dem Eingang auf eine Schlägerei mit dem geübten Kampfsportler ein. Das ging für ihn übel aus.

In wenigen Sekunden schlug der Soldat den Kontrahenten bewusstlos. Doch damit nicht genug: Nach kurzem Rückzug kehrte er um und versetzte dem am Boden liegenden Gegner brutale Fußtritte gegen den Kopf, um ihn zu töten. Der Täter floh in die USA. Ein Begleiter, der ihm bei der Schlägerei geholfen hatte, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Der 33-Jährige überlebte nur knapp: Er erlitt einen Schädelbruch, leidet bis heute unter Gedächtnis- und Sprachstörungen.

Vergeblich beantragte der Verletzte bei der zuständigen Behörde Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz. Er räumte zwar ein, dass er mit zu der Eskalation beitragen hatte. Aber dass der Soldat einen Bewusstlosen so brutal treten würde, habe er nicht vorhersehen können. Das sei seinem eigenen Fehlverhalten nicht mehr zuzurechnen. Die Pause in der Schlägerei stelle eine Zäsur dar, danach sei die Situation neu zu bewerten.

Diese Argumentation verhalf seiner Klage beim Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen nicht zum Erfolg (L 13 VG 68/11). Eine Schlägerei mit einem aggressiven Unbekannten bilde das Musterbeispiel einer gefährlichen Situation, deren Ausgang nicht kalkulierbar sei, so das Gericht. Der Diskobesucher habe daher auch mit schweren Verletzungen rechnen müssen. Wer eine Prügelei mitmache oder gar provoziere, gefährde sich leichtfertig selbst und handle grob fahrlässig. In so einem Fall sei ein Anspruch auf Opferentschädigung ausgeschlossen.