"Normales Wehwehchen"

Versicherungsnehmerin und Agent beschwindeln gemeinsam Versicherung

onlineurteile.de - Eine Angestellte wollte sich gegen Berufsunfähigkeit absichern. Gemeinsam mit einem Versicherungsvertreter füllte sie das Antragsformular aus. Die Frage, ob innerhalb der letzten zehn Jahre Rückenschmerzen aufgetreten sind, wurde mit "Nein" angekreuzt. Das war gelogen. Denn der Rücken machte der Frau schon lange zu schaffen, schon seit Jahren wurde sie deswegen ärztlich behandelt.

Als die Angestellte einige Jahre später Leistungen wegen Berufsunfähigkeit in Anspruch nehmen wollte, erkundigte sich der Versicherer u.a. bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Schnell flog durch ärztliche Bescheinigungen und Berichte der Schwindel auf, der Versicherer kündigte daraufhin den Vertrag.

Auch beim Oberlandesgericht Zweibrücken schaffte es die Angestellte nicht, Versicherungsleistungen zu erstreiten (1 U 66/02). Sie könne sich nicht darauf berufen, dem Versicherungsvertreter über ihr Rückenleiden, den steifen Hals und Hexenschuss die Wahrheit gesagt zu haben, so die Richter. Nach ihren eigenen Angaben habe der Agent damals erklärt: "Das sind normale Wehwehchen". Darüber "solle man lieber nichts schreiben, da es sonst nur Ärger gebe", man solle "die Beschwerden weglassen". Und so sei es geschehen.

Das könne man gar nicht anders verstehen, als dass der Agent die Beschwerden dem Versicherer verschweigen wollte. Das habe der Angestellten klar sein müssen. Dass der Versicherer falsch informiert wurde, um ihn zur Annahme des Antrags zu bewegen, habe die Antragstellerin also zumindest billigend in Kauf genommen. Sie habe mit dem Agenten gemeinsame Sache gemacht, um den Versicherer arglistig zu täuschen.