Orkan bläst altersschwache Schindeln vom Dach

Gebäudeversicherung muss trotz der Vorschäden für den Sturmschaden aufkommen

onlineurteile.de - Im Januar 2007 tobte Orkan "Kyrill" über das Land und fegte unter anderem Bitumenschindeln vom Dach eines Einfamilienhauses. Bis zu 50 Meter weit flogen sie durch die Luft. Anschließend ließ die Hauseigentümerin das Dach sanieren und die Schindeln erneuern. Von ihrer Wohngebäudeversicherung verlangte sie Schadenersatz.

Der Versicherer lehnte ab: Das Dach sei schon vor dem Sturm sanierungsbedürftig gewesen, ansonsten wäre gar kein so großer Schaden entstanden. Versichert seien aber nur Gefahren durch Sturm und Hagel. Altersbedingte Vorschäden änderten nichts an seiner Leistungspflicht, urteilte dagegen das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz (10 U 1018/08).

Denn letztlich habe ein Orkan mit Windstärke 8 die Bitumenschindeln abgelöst, so das OLG. Dass er die Mitursache für den Schaden gewesen sei, genüge schon. Anders läge der Fall nur, wenn die Hauseigentümerin ihr Anwesen sträflich vernachlässigt und so die Gefahr des Versicherungsfalls erhöht hätte. Bei so einem Verhalten könne die Gebäudeversicherung den Versicherungsvertrag kündigen.

Im konkreten Fall sei das aber ausgeschlossen. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Hauseigentümerin über die schadhaften Schindeln Bescheid wusste und dennoch nichts unternahm. Die Versicherungsnehmerin müsse nicht regelmäßig - ohne konkreten Anlass - den Zustand des Daches durch einen Fachmann kontrollieren lassen.