Orkan "Lothar" reißt Verkehrsschild los

"Höhere Gewalt": Kein Schadenersatz für beschädigtes Auto

onlineurteile.de - Es wütete ein schrecklicher Sturm, als der Mann am 2. Weihnachtsfeiertag 1999 seinen Mietwagen auf der Autobahn durch den Pfälzer Wald lenkte. Auf einmal knallte ihm ein Riesentrumm gegen die Kühlerhaube - ein Verkehrsschild. Zum Glück passierte dem Autofahrer nichts, aber das Auto war natürlich arg zugerichtet.

Der Autovermieter verlangte von der Autobahnverwaltung Schadenersatz. Da der Sturm das Schild losgerissen habe, stehe fest, dass es nicht gut genug befestigt war. Verkehrsschilder müssten auch einem Orkan standhalten, dafür hätten die Verantwortlichen - hier: Behörden des Landes Rheinland-Pfalz - zu sorgen.

Die Richter des Oberlandesgerichts Koblenz konnten jedoch kein Verschulden der Straßenverkehrsbehörde erkennen (12 U 11/03). Verkehrsschilder müssten Sturmböen bis zu 12 Beaufort (= zwischen 120 und 130 Stundenkilometern) aushalten, hier seien jedoch Spitzenwerte bis zu 14 Beaufort gemessen worden. In der Nähe des Unfallortes habe es sogar eine Böe mit 184 Stundenkilometern gegeben.

Damit sei "Lothar" in dieser Gegend der heftigste Orkan seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Ein solches Ausnahmeereignis finde alle 50 bis 100 Jahre statt und sei mit "normalen" Stürmen nicht zu vergleichen. Die Verantwortlichen könnten Schilder nicht gegen Stürme jeden erdenklichen Ausmaßes sichern. "Lothar" sei ein einmaliges Naturphänomen gewesen, das verheerende Schäden angerichtet habe - gegen "höhere Gewalt" nützten Sicherungsmaßnahmen nichts.