Pakistanische "Handschuhehe"

Deutsche Standesbeamte müssen sie anerkennen, wenn der Ehewille beider Partner feststeht

onlineurteile.de - Es war schon etwas ungewöhnlich, wie ein Pakistani mit einer deutschen Frau den Bund fürs Leben einging. Bei der Eheschließung in seiner Heimat war er abwesend, weil er in Deutschland Asyl beantragt hatte. Er wurde durch seinen älteren Bruder vertreten. (Nach islamischem Recht ist eine Stellvertretung bei der Heirat zulässig.) Der legte eine notariell beglaubigte Vollmacht des Asylbewerbers vor, in der allerdings der Heiratspartner nicht genau bezeichnet war. Immerhin nahm wenigstens die Braut an der Trauungszeremonie teil. In einem deutschen Standesamt beantragten die frisch Verheirateten später, für sie ein deutsches Familienbuch anzulegen. Die Standesbeamten wollten die Ehe nicht anerkennen.

Das Kammergericht in Berlin segnete jedoch das pakistanische Ehebündnis ab (1 W 173/03). Nach den maßgeblichen Grundsätzen pakistanischen Rechts sei die "Handschuhehe" (so bezeichnet man im deutschen Recht die Heirat per Stellvertreter) wirksam. Auch nach deutschen Maßstäben stehe fest, dass der pakistanische Asylant die deutsche Braut habe heiraten wollen. Die Braut sei bei der Trauung anwesend gewesen und der Ehewille des Bräutigams sei der Erklärung seines Bruders zu entnehmen. Der Bruder des Bräutigams, das Familienoberhaupt, habe der Heirat in dessen Namen zugestimmt. Die entsprechende Willenserklärung sei vom Außenministerium in Islamabad beglaubigt worden. Das mache die unvollständige Vollmacht wett.