Panikattacke am Flughafen

Reiserücktrittskostenversicherung muss zahlen

onlineurteile.de - Drei Wochen Urlaub in Thailand - eigentlich eine erfreuliche Perspektive. Trotzdem bekam eine Frau am Frankfurter Flughafen, kurz vor dem Abflug, eine Panikattacke: Schweißausbrüche und heftiges Gliederzittern plagten sie. Ihr Ehemann rief den Flughafenarzt herbei, der dringend von der Reise abriet. Das Paar befolgte den Rat.

Für die Flugreise hatten die beiden eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen. Der Versicherer weigerte sich jedoch, die 2.275 Euro Stornogebühren zu übernehmen und ließ es auf einen Rechtsstreit ankommen: Hier gehe es nicht um einen Reiserücktritt wegen unerwarteter Krankheit, argumentierte er. Da die Versicherungsnehmerin seit langem an Depressionen leide, sei ein Panikanfall für sie nichts Ungewöhnliches. Beim Landgericht Koblenz setzte sich das Ehepaar gegen das Versicherungsunternehmen durch (14 S 362/03).

Am Abreisetag hätten der Flughafenarzt sowie ein Arzt im Krankenhaus eine schwere Erkrankung festgestellt und per Attest bescheinigt, dass die Reise für die Frau objektiv unzumutbar sei. Trotz der langjährigen depressiven Grundstimmung sei die Panikattacke als "unerwartet" im Sinne der Versicherungsbedingungen einzustufen: Denn die Urlauberin habe trotz ihrer Depressionen in den zurückliegenden Jahren mehrmals ohne jedes Problem Flugreisen unternommen, auch nach Thailand. Also habe sie keineswegs mit einem akuten Panikanfall auf dem Flughafen rechnen müssen.