Passionierter Radfahrer wird von Auto angefahren

Haftpflichtversicherer muss fürs Rad Nutzungsausfallentschädigung zahlen

onlineurteile.de - Autovermieter B ist leidenschaftlicher Hobby-Radfahrer. Er besitzt mehrere Rennräder, zur Arbeit fährt er täglich mit einem Tourenrad (Kostenpunkt: 4.000 Euro). Auf dem Heimweg hatte er eines Tages Glück im Unglück: Ein unaufmerksamer Autofahrer erfasste beim Abbiegen das Hinterrad. B flog durch die Luft, landete in einer Wiese und blieb fast unverletzt.

Das zwei Jahre alte Fahrrad wurde erheblich beschädigt. Laut Kostenvoranschlag eines Radhauses sollte die Reparatur 1.873 Euro kosten. Da bestellte Herr B lieber gleich ein neues. Von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers forderte er die (fiktiven) Reparaturkosten und darüber hinaus Nutzungsausfallentschädigung.

Immerhin habe er 35 Tage auf sein Alltagsrad verzichten müssen, argumentierte B. So lange habe es gedauert, bis das Ersatzrad geliefert wurde. Einen Ersatzrahmen hätte das Radhaus ebenfalls im Ausland bestellen müssen, den hätte der Radhersteller nicht schneller liefern können als das Ersatzrad. Das Radhaus bestätigte, dass eine Reparatur die Sache nicht beschleunigt hätte.

Ein Nutzungsausfall sei als zu ersetzender Schaden anzusehen, so das Landgericht Lübeck, wenn der Besitzer der beschädigten Sache auf deren ständige Verfügbarkeit angewiesen sei (1 S 16/11). Da Herr B das Rad täglich für den Weg zur Arbeit benutze, treffe das zu. Es gebe keinen Grund, der es rechtfertigen könnte, für ein beschädigtes Auto Nutzungsausfallentschädigung zu zahlen, nicht aber für ein Fahrrad, wenn der Besitzer damit regelmäßig zur Arbeit fahre.

Der Verweis auf die Alternativen des Herrn B half dem Haftpflichtversicherer nichts. Sein Mietwagen-Fuhrpark bleibe außer Betracht, so das Gericht. Er müsse nicht auf ein Mietfahrzeug zurückgreifen und Mieteinbuße in Kauf nehmen. Seinem Anspruch stehe auch nicht die Tatsache entgegen, dass er Rennräder besitze. Rennräder seien nicht alltagstauglich. Sie hätten weder eine im Straßenverkehr vorgeschriebene Beleuchtung, noch ein Schutzblech, das bei Regen die Kleidung gegen Spritzer schütze.

Da für Räder keine Tabelle existiert, mit deren Hilfe Nutzungsausfall finanziell zu taxieren wäre, schätzte das sachverständig beratene Gericht die Entschädigung (auf der Basis von Mietkosten für vergleichbare Räder) auf 195,90 Euro.