Patient vor der Operation über das Risiko aufgeklärt?

Unterschriebenes Aufklärungsformular reicht als Beweis nicht

onlineurteile.de - Der Patient hatte sich beim Joggen am linken Knie verletzt. Der konsultierte Orthopäde nahm eine Arthroskopie vor, um den Gelenkschaden zu beheben. Dabei benutzte er eine pneumatische Oberschenkelmanschette ("Blutsperre"), um Einblutungen während der Operation zu vermeiden. Der Eingriff blieb nicht ganz ohne Folgen: Der Patient klagte über eine Schwäche in der Oberschenkelmuskulatur und Belastungsschmerzen. Diese Phänomene führte er auf die Blutsperre zurück. Sie sei überflüssig gewesen und außerdem falsch angelegt worden, behauptete er, und verklagte den Arzt auf Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf wies die Klage ab (I-8 U 56/04). Ein medizinischer Sachverständiger hatte ausgeführt, ein arthroskopischer Eingriff sei die einzige Möglichkeit, einen "Korbhenkelriss" im Knie zu behandeln. Um das Risiko zu verringern, sei es auch angezeigt, dabei eine Blutsperre zu verwenden, die dem Operateur eine bessere Sicht verschaffe. Wenn sich trotzdem ein kleiner Nervenast oder Muskelzellen nicht mehr regenerierten, sei dies eben "schicksalhaft": Dass es sich um einen "atypischen Heilungsverlauf handle", beweise noch nicht das Vorliegen eines Behandlungsfehlers.

Auch mit dem Vorwurf, der Operateur habe ihn über das Risiko nicht informiert, kam der Kniepatient nicht durch. Dass der Arzt einen vom Patienten unterschriebenen Aufklärungsbogen vorlegte, reichte dem OLG zwar nicht, um den Vorwurf zu widerlegen. Doch die handschriftlichen Eintragungen des Arztes in der Dokumentation enthielten Details, die er nur vom Patienten wissen konnte. Und den Inhalt des Aufklärungsgesprächs konnte der Operateur bei seiner Vernehmung durch die Richter glaubwürdig rekonstruieren.