Patientin bleibt auf Laborkosten sitzen

Private Krankenversicherung zahlt für ärztlich angeordneten "Rundumschlag" nicht

onlineurteile.de - Die Patientin litt an einer rätselhaften Krankheit. Mehrere Kliniken und Ärzte versuchten mittels umfangreicher Diagnostik, die Ursache der krankhaften Müdigkeitserscheinungen (Chronic Fatigue Syndrom - CFS) herauszufinden. Zuletzt veranlassten zwei Ärzte zahlreiche Laboruntersuchungen, die teilweise schon einmal (von anderen Ärzten) durchgeführt worden waren. Dabei kam die stolze Summe von 5.065,20 DM (2.589,80 Euro) zusammen. Die Patientin reichte die Rechnungen bei ihrer privaten Krankenversicherung ein. Das Unternehmen verweigerte jedoch den Kostenersatz, weil die Laborleistungen medizinisch nicht notwendig gewesen seien.

Das Oberlandesgericht Hamm schaltete einen internistischen Sachverständigen ein (20 U 71/03). Der Mediziner bezeichnete die Laboruntersuchungen als "Rundumschlag": ein Behandlungs- und Therapiekonzept sei in den Krankenunterlagen nicht zu erkennen. Auch seien die - zum Teil aus unerfindlichen Gründen wiederholten - Laboruntersuchungen nicht notwendig gewesen, um die Diagnose abzusichern oder eine Therapie auszuarbeiten. Zum Beispiel habe die Patientin keinerlei Symptome gezeigt, die Tests zur Abklärung einer Lebensmittelallergie nahegelegt hätten. Die Ärzte hätten "mit der Stange im Nebel herumgestochert".

Angesichts dieser negativen Auskunft hielten es die Oberlandesrichter nicht für geboten, sich ernsthaft mit der unter Medizinern umstrittenen Frage zu beschäftigen, welches diagnostische Vorgehen sich bei Verdacht auf Müdigkeitssyndrom empfiehlt. Sie wiesen die Klage auf Versicherungsleistungen ab und empfahlen der geschröpften Patientin, sich bei ihren Ärzten schadlos zu halten.