Patientin nicht über Implantate-Material informiert

Zahnarzt verwendet Rinderknochen - Schmerzensgeld

onlineurteile.de - Eine Frau ließ sich beim Zahnarzt Implantate einsetzen. Der Zahnarzt verwandte für den Knochenaufbau vor der Implantation Material ("Bio-Oss"), das aus Rinderknochen gewonnen wird. Darüber informierte er jedoch die Patientin vor der Behandlung nicht. Später erfuhr die Frau davon und war entsetzt. Sie sei Anhängerin naturheilkundlicher Verfahren, argumentierte sie. Für sie wäre es nie in Frage gekommen, sich Rindermaterial in den Kiefer und damit nahe ans Gehirn setzen zu lassen. Bei ordnungsgemäßer Aufklärung durch den Zahnarzt hätte sie der Behandlung nicht zugestimmt.

Die Patientin forderte 5.000 Euro Schmerzensgeld und bekam vom Oberlandesgericht Stuttgart Recht (1 U 25/05). Mangels korrekter Aufklärung sei der Eingriff rechtswidrig gewesen. Die Patientin habe zwei überflüssige Operationen über sich ergehen lassen und einen weiteren Eingriff, um das Material wieder zu entfernen. Für die damit verbundenen gesundheitlichen Nachteile und Schmerzen schulde ihr der Zahnarzt eine Entschädigung.

Ein Zahnarzt dürfe keine Rinderknochen verwenden, ohne die Patienten zu informieren. Außerdem müsse er Patienten über alternative Möglichkeiten der Behandlung aufklären - im konkreten Fall über die Möglichkeit, für den Knochenaufbau vor der Implantation des Oberkiefers eigene Knochen (aus dem Beckenkamm) zu verwenden. Diese Methode unterscheide sich deutlich von der hier gewählten: im Grad der Belastung des Patienten, im Risiko und in den Erfolgsaussichten.