Pferd mit Allergie erworben?

Käufer kann vom Kauf nur zurücktreten, wenn der Mangel schon beim Kauf vorhanden war

onlineurteile.de - Im März 2002 kaufte ein Mann von einer Pferdezüchterin für 7.100 Euro einen Hengst. Fünf Monate später trat bei dem Tier das so genannte Sommerekzem auf: eine Allergie, bei der in den Sommermonaten Mückenstiche lokale Hautentzündungen mit starkem Juckreiz auslösen, die ihrerseits zu Scheuerstellen und Haarbruch an Mähne und Schweif führen. Nach einer Untersuchung beim Tierarzt und einigen Labortests stand fest: Mit dem Pferd konnte er im Sommer nicht ins Freie. Da forderte der Reiter von der Verkäuferin, den Kauf rückgängig zu machen: Der Hengst sei als Reitpferd untauglich, die Kaufsache daher mangelhaft.

Die Züchterin ließ es auf einen Rechtsstreit ankommen. Vor Gericht ging es im Wesentlichen um die Frage, ob das Tier schon im März, zum Zeitpunkt des Kaufs, krank gewesen war. Nur dann darf der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Der Käufer pochte auf § 476 BGB: Wenn sich ein Mangel innerhalb von sechs Monaten nach Übergabe der Kaufsache zeigt, heißt es da, "werde vermutet", dass er schon beim Kauf vorgelegen hat. Es sei denn, dass dies aufgrund der Beschaffenheit der Sache oder der Art des Mangels ausgeschlossen werden kann.

Beim Oberlandesgericht bekam der Käufer Recht. Der Bundesgerichtshof verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, nicht ohne Grundsätzliches zum Tierkauf klarzustellen (VIII ZR 173/05). Der Paragraph, auf den der Käufer seinen Anspruch stütze, sei hier durchaus anzuwenden. Er diene dem Schutz des Verbrauchers und gleiche den Informationsvorsprung des Unternehmers aus. Auch beim Kauf von Tieren gelte, dass der Verkäufer den Zustand des Tieres in der Regel besser beurteilen könne als der Käufer.

Nun sei allerdings bei Tierkrankheiten der Zeitpunkt ihrer Entstehung häufig ungewiss. Bei Infektionen z.B. könne man schwer klären, ob sich das Tier schon vor oder erst nach der Lieferung an den Käufer angesteckt habe. Im konkreten Fall treffe das jedoch nicht zu: Denn die Symptome des Sommerekzems seien nicht zu übersehen. Wenn das Pferd unter dieser Allergie im Sommer 2001 trotz Aufenthalts im Freien noch nicht gelitten habe - was der Stallbursche bestätigte -, könnte es im März 2002 noch gesund gewesen sein. Dazu müsse die Vorinstanz die Sachverständigen nochmals befragen.