Pferd rennt Reiterin um

Wer das Gatter einer Pferdeweide öffnet, geht ein Risiko ein

onlineurteile.de - Die Reiterin war gerade unterwegs zu ihrem Reitstall, als sie auf der Straße ein Pferd stehen sah. Sie beschloss, es auf die Weide zurückzubringen, weil es auf der Straße sich selbst und Verkehrsteilnehmer gefährdete. Das Pferd ließ sich brav am Halfter nehmen und Richtung Koppel führen. In der Nähe des Koppeltores bemerkte die Frau ein anderes Pferd, das innen - etwa fünf Meter vom Tor entfernt - graste. Kaum hatte die Reiterin das Gatter geöffnet, lief das Tier auf sie zu. Schnell schloss die Frau das Gatter wieder und vertrieb das Pferd vom Eingang. Dann probierte sie es erneut und brachte "ihr" Pferd auf die Weide. Doch dann drehte der "Platzhalter" durch. Erst versuchte er, das neu angekommene Pferd zu beißen. Dann rannte das Tier frontal auf die Frau zu und riss sie um. Beim Stolpern verletzte sich die Frau am Knie.

Ihre Klage auf Schmerzensgeld gegen den Halter des Pferdes wurde vom Oberlandesgericht Hamm abgewiesen (9 U 185/01). Gerade sie als Reiterin hätte wissen müssen, dass das weidende Pferd möglicherweise aggressiv, auf jeden Fall unberechenbar auf den Artgenossen reagieren werde. Dass das Tier das geöffnete Gatter zur Flucht nutzen würde, ohne dabei auf umstehende Personen zu achten, sei in dieser Situation ebenfalls wahrscheinlich. Indem sie das Gatter der fremden Pferdeweide öffnete, habe sich die Frau daher freiwillig einem großen Risiko ausgesetzt. Für die Folgen müsse nicht der Tierhalter geradestehen.