Pferdegespann verletzt Zuschauer bei Festumzug

Keine Haftung des Tierhalters, wenn es sich um "Nutztiere" handelt

onlineurteile.de - Durch Böllerschüsse gerieten die Pferde eines Landwirts in Panik, der mit seinem Gespann an einem Festumzug teilnahm. Sie gingen durch, keilten aus und verletzten einen Zuschauer des Umzuges schwer. Der Pechvogel erhielt obendrein vom Landwirt keinen Schadenersatz.

Normalerweise haften Tierhalter, wenn ihre Tiere Schaden anrichten. Eine Ausnahmeregelung gilt für Nutztiere, d.h. für Tiere, die "dem Unterhalt des Tierhalters zu dienen bestimmt sind". Das Oberlandesgericht Nürnberg stufte die Pferde des Landwirts als Nutztiere ein (14 U 1474/09). Dass der Zuschauer bei einem Festumzug verletzt wurde, ändere daran nichts.

Über das Jahr verteilt würden die Pferde fast nur forstwirtschaftlich, nämlich für Holzarbeiten im Wald eingesetzt, um für den Landwirt und seine erwachsenen Kinder Holz, also Heizmaterial zu transportieren. Das sei ein "wirtschaftlicher Zweck", weil der Tierhalter ansonsten Heizmaterial kaufen müsste. Mit wöchentlichen Gespannfahrten sorge der Landwirt nur dafür, dass die Tiere an Straßenverkehr gewöhnt bleiben. Das sei für den Holztransport wichtig.

Dass die Pferde gelegentlich in der Freizeit geritten und ein oder zwei Mal jährlich auf Festumzüge mitgenommen wurden, falle demgegenüber kaum ins Gewicht. Deswegen seien sie noch keine Luxustiere, deren Daseinszweck allein in der Freizeitgestaltung des Halters liege. Da die Pferde als Nutztiere anzusehen seien und der Landwirt sie außerdem bei dem Festumzug sorgfältig beaufsichtigt habe, habe der Verletzte gegen ihn keinen Anspruch auf Schadenersatz.